Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
559
 
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handelt. Gewiß waͤren Mord u. Naub die Folge geweſen, wenn nicht die Füh rer und Träger der Breslauer Geſell ſchaft und das Geſinde des Gaſtwirths zur rechten Zeit zu dem blutigen Auf tritt hinzugetreten wären. Die Räu ber zogen ihre Piſtolen, u. ſezten ſich zur entſchloſſenen Währe gegen die an gerükte Uebermacht, verwundeten meh rere, und ergaben ſich erſt, als das Blut ihnen von Haupt u. Händen in Strömen floß. Sie wurden feſtgeſezt, und nachher mit einem Protokoll über den Thatbeſtand an das k. k. Kreisamt in Hohenelbe abgeliefert. Aus den Päſ ſen ergab ſich, daß der eine Bandit ein vagirender Bäkergeſelle, der andere ein Galanteriewaarenhändler und ein drit ter ein Rentier geweſen! Der eine machte den Verſuch, nach Art der ita lieniſchen Banditen, ſich durch Liſt zu retten. Er ſpielte den Sterbenden, rief um prieſterliche Hilfe in den lez⸗ ten ſchweren Augenbliken, und als die gutmüthigen Gebirgsleute, durch ſei ne Reue und ſein chriſtliches Verlangen gerührt, ihn ſeinem Gewahrſam ent zogen, ſtieß und hieb er die Umſtehen den nieder, und eilte zur Thüre, wo er jedoch wieder gefangen wurde. K. Buntes aus London. Ein Schnellläufer in England, Namens Bryant, wettete neulich, daß er 60 engliſche Meilen in 18 Stunden lau⸗ fen wolle. Er legte den Weg bei der großen Hize, und obgleich er mehrmals ausruhte, in 11 Stunden 25 Minuten zurük, und war noch ſo friſch und ſtig, daß er ſich anbot, noch 10 Mei len weiter zu laufen. Zu den zahl⸗ reichen Kunſtgriffen, die bei den lez ten Wahlen zum Jorſchein kamen, ge hört auch folgender: Ein Wähler in Tewkesbury, Namens Hutchens, fand bei ſeiner Nachhauſekunft von der Wahl einen Brief, in welchem ihm gemeldet wurde, daß eine nahe Verwandte von

ihm auf den Tod liege, und ihn zu ſehen wünſche. Herr Hutchens macht nun in den Zeitungen dieſen Brief als einen Fallſtrik der Tories bekannt, die ihn dadurch abhalten wollten, zur Wahl zu gehen und für den liberalen Kan didaten zu ſtimmen, was auch erfolgt wäre, wenn er den Brief Vormittags erhalten hätte. Die engliſchen Da men haben die Strenge in der Trauer für ihren König ſo weit getrieben, daß mehrere von ihnen Korſets von ſchwar zem Moire beſtellten. Den Vuch drukern, den Poſtmeiſtern u. den Chi rurgen blüht in England ihr Weizen. Die allgemeinen Wahlen beſchäftigen alle Preſſen mit Anſchlägen, Einla- dungskarten und Adreſſen; die Poſt einnahmen ſollen durch die zahlrei chen Briefe, welche die Wahlen veran⸗ laſſen, durch den Staffettendienſt u. ſ. w. in der kurzen Wahlzeit 100,000 Pfund! mehr abwerfen, und die Wundärzte können gar nicht fertig werden, alle bei den Wahlen zerſchlagenen Köpfe und Glieder wieder zuſammenzufliken. Die Bräuerei Baretay-Perkins ver⸗ braucht täglich um 16,000 fl. C. M. Gerſte. 160 Pferde verführen das Bier in die Stadt. Die Bräuerei braucht außerdem 156 Bottiche. In einem die⸗ ſer Bottiche, welche 118 Fuß weit und 24 Fuß tief iſt, gab das Haus Vare tay-Perkins dem König Georg IV. ein glänzendes Diner. Es iſt kürzlich zu Pontonville(England) eine Frau in einem Alter von 112 Jahren geſtor ben, die in der ganzen Umgegend un ter dem Namen der Mad. Lawſon be kannt war; ſie war im Jahr 1725 un⸗ ter der Regierung Georg's II. geboren. Seit ihrem 26⸗ſten Jahre blieb ſie, troz häufiger Eheanträge, Wittwe; ſie lebte in großer Zurükgezogenheit und ihre ganze Umgebung beſtand aus ei nem Greiſe, der die Funktionen eines Haus⸗Verweſers verrichtete, zwei Spiz⸗ 7