Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
558
 
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richteten Reſtauration im Kaſino, in der Kärnthnerſtraße, erſchließt. Dort in einem herrlich dekorirten Saale, deſ ſen ſpiegelbedekte Wände mit purpur⸗ rothen Drappirungen prangen u. deſſen blendendweiße Silberfirniß-Plafond mit goldgetäfelten Stukaturen bedekt iſt, dort wo Geſchmak, Eleganz und Ein fachheit im Grazienbunde, dort hat der verdienſtvolle Herr Munſch, dem Au tokrates von uns Allen, dem Magen, einen impoſanten Feenpallaſt erbaut. Von den kräftigen Gerichten, der ein fachen Hausmannskoſt, bis zu den koſt barſten Lekerbiſſen aller Zonen, vom deutſchen Sauerkraute, bis zum indianiſchen Vogelneſte, vom ſim plen böhmiſchen Dalken, bis zur noblen Straßburger Trüffelpa⸗ ſtete, vom beſcheidenen Heurigen, bis zum ſtolzen Lacrimä Chriſti bie⸗ tet uns in allen Nuancirungen das, nach dem Vuffon'ſchen und Linné'ſchen Syſteme wohlgeordnete Speiſen⸗ buch, im rothen Maroquin mit Gold ſchnitt, welches ein höflicher Kellner im ſchwarzen Koſtüme, in Schuh und Strümpfen, dem eingetretenen Gaſte, überreicht. Das nenne ich eine Reſtaura tion, wie ſie Wien noch nie beſeſſen! Gehen wir nun vom neuen Gaumen-, zum neuen Ohrenkizel: Herr Brei ting, der Stimmherkules, trat dieſe Woche, am 23. und 26. Auguſt, im Känthnerthortheater zweimal auf; als Sever, in Bellini'sNorma u. als Robert der Teufel. Die Leiſtungen des Hrn. Breiting ſind uns ſammt ih⸗ ren unterſchiedlichen Veurtheilungen ſchon von früher her bekannt. Auch diesmal gab es im Publikum zweierlei Stimmen: pro und contra, lobende und tadelnde. So viel ich glaube, be gibt ſich überhaupt das Publikum zu den Produktionen des Hr. B., nicht um einen Sänger zu hören, ſondern nur, um eine koloſſale Gigantenſtim

me anzuſtaunen. Dem. Danſe, Tän zerin der großen Oper zu Paris, un ternahm den kühnen Schritt, gleich nach dem unvergeßlichen Scheiden des holden Elsler'ſchen Schweſternpaares, am 22. Auguſt, alsSylphide, in dem Ballette gleichen Namens auf zutreten und ſie reuſſirte. Unſer billig denkendes Publikum erkannte die gerechten Verdienſte dieſer talentvol len Ballettänzerin. Wenn auch ihr mimiſches Spiel nicht hinlänglich mar- kirt und ausdruksvoll iſt, ſo verdient ihr, franzöſiſche Grazie athmender, wun derlieber Tanz den reichlichſten Ap⸗ plaus, und man kann mit Recht von ihr ſagen: Mlle. Danse c'est Ia danse personnifiée! Alambre.

Dresden. Das Rieſengebirge hat zu ſeinen lokenden Naturſchönheiten noch den Reiz des Romantiſchen bekom⸗ men durch eine italteniſche Räuber geſchichte. Am 10. Auguſt kam eine Geſellſchaft aus Breslau auf die Rie ſendauden(auf dem böhmiſchen Ge birgsantheile) in dem Augenblike, wo ſich ein heftiger Kampf auf Tod und Leben zwiſchen den Leuten des Gaſt wirths Remer und 6 bewaffneten Räu⸗ bern entſponnen hatte. Die Banditen hatten ſich in St. Peter um das Vermö⸗ gen des Baudenwirthes und um die Zeit des geringſten Beſuches genau er kundigt, und bezeichneten ihre Ankunft in den Rieſenbauden gleich durch ge waltſamen Angriff auf ein Paar Har fenmädchen und eine Frau aus Prag, welche nur durch die Flucht ſich dem beabſichtigten Attentat entziehen konn ten. Die 16-jährige Tochter des Gaſt⸗ wirths rettete mit Aufopferung die er⸗

wähnte Frau aus Prag, und wurde

deshalb mit gezüktem Meſſer von einem der Räuber angefallen, ihr Vater, der zu ihrer Rettung herbeikam, von An⸗ deren niedergeriſſen u. ſchreklich miß⸗