Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
557
 
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ſten Verdienſte des wakern Architekten Hrn. Zitterbart anzuſehen iſt. M.

Frankfurt. Am 21. Aug. gab die franzöſiſche Schauſpieler-Geſellſchaft, unter der Direktion der H. H. Doligny und Alix ihre erſte Darſtellung auf hieſiger Bühne, und ward von dem ziemlich zahlreichen Auditorium mit vielem Beifalle belohnt. In dem erſten Stüke:Valérie! von Scribe, uns unter dem NamenGabriele bekannt, zeichnete ſich Mad. Doligny, die jün gere, in der Titelrolle durch kunſtvol les, in den leidenſchaftlichen Momen ten hinreißendes und herzgewinnendes Spiel ſehr vorthellhaſt aus; beſonders ergriff die Szene, in der Valerie, als die Blinde das Geſicht von des Geliebten kunſt geübter Hand wieder erhält. Hier, wo das ungewohnte, faſt blendende Ko lorit des mimiſchen Ausdruks höchlich überraſchte, war der Beifall ſtürmiſch. Im zweiten allbekannten Stüke von Moliere:Le dépit amoureux gefiel uns vor allem die trokene, aber um ſo wikſamere Komik des Hr. Doligny, des jüngern, als Groß Réné. Auch die ältere Mad. Doligny gab in dieſem Luſtſpiel die Rolle der Marinette recht anmuthig. Höchſt beifallswürdig iſt aber das herrliche, wahrhaft wohlthu ende Zuſammenſpiel der Gäſte, deren muſterhaftes Memoiren ihrer Rollen jeden Souffleur entbehrlich macht.

Fr. Konv.

Mignon ⸗Zeitung.

Feuilleton aus Wien. IX. Sind wir nicht überglüklich, wir Wiener! Nicht genug daß wir den Himmel ſo ganz in der Nähe haben, ſo ſteht uns, falls dieſer im Winter zu kalt ſein ſollte, ein geheiztes El y⸗ ſium zu jeder Stunde offen, und zum Ueberfluß ſchafft uns der geniale Strauß auch noch ein Paradies! Das

Vanquett, welches wir am 21. Auguſt im Paradieſe, vulgo im Garten des Hotel's zur Birne, auf den jen⸗ ſeitigen Ufern des Stix, id est des Todte erwekenden Wienfluſſes feierten, war ein verwirklichtes Gemälde des Lebens u. Treibens im Lande der Se⸗ ligen, wie ſich die glühende Fantaſie eines Orientalen ſeinen ſiebenten Him mel nicht ſchöner u. reizender vorſtel⸗ len kann. Die überraſchend neue Be leuchtung der Salonsfagade, die bunt farbigen Kandelabres und Feſtons mit den weiß und roſa Shawls-Drappe rien der Hauptaſlee, die Wolkendekora tion am Baſſin mit den ſich forwährend im Kreiſe drehenden, beweglichen Lam pen und Sternen; die inmitten dieſes Lichtmeeres ſich wogende Menge reich geſchmükter Damen, ſo lieblich, ſo rei zend wie Keine der üppigen Houri's Mohamed's, die helltönenden Muſik weiſen zweier Muſikchöre, das fröhli che Gezeche unzähliger Perſonen, die Ambradüfte der Speiſen dies ins geſammt umnebelt ſo die ſchwachen Sin ne, daß gewiß ein jeder Anweſende ſich für dieſen Abend im Paradieſe glaubte. Nur eines zog uns wieder in die Wirk⸗ lichkeit hinab u. machte uns halb aus dem überſüßen Taumel erwachen: die an dieſem Abend zum erſten Male auf geführten Walzer:Vanquett-Tänzes, welche mit ihren häufigen Reminiſzen⸗ zen, uns wieder an das alltägliche, hausbak'ne Leben, mit Leiermann's Klängen mahnten. Doch hinweg mit all dieſen Feſten, die wie ſüße Träume pfeilſchnell an uns vorüber fliegen, die nach wenigen, froh verlebten Stun den, wie ein fernes Nebelbild zerrin nen und nur einen tiefen Eindruk der in der Vörſe bleibend zu rüklaſſen! Hin laß't uns pilgern zu dem ſtabilen Paradies-Bangquette, welches uns tagtäglich der urbane Gaſt wirth Herr Munſch, in ſeiner neuer⸗