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aus der Gefahr zieht; die beiden Luſt⸗ ſpiele:„die gefährliche Tante“ und „der Ball zu Ellerbrunn“ wurden, durch die ausgezeichnete Darſtellung dieſer talentvollen Schauſpielerin, vom gänz— lichen Untergange gerettet; die vollſte Anerkennung u. außerordentlicher Bei— fall wurde derſelben vom Publikum zu Theil, ſomit dürften auch beide Dich— ter der Dem. D. zu Dank verpflichtet ſein, indem ihre Münze durch ſie bei uns wieder Kredit erlangt und nicht außer Kours geſezt worden iſt. Dem Vernehmen nach ſoll Dem. Denker den „Pariſer Taugenichts“ zu ihrer VBene⸗ fize geben.— Der k. k. Hofſchauſpieler Hr. La Roche gaſtirte bier mit unge⸗ meinem Beifall; ſein König Philipp, in„Don Carlos“, wird uns lange im Gedächtniß bleiben, dies iſt auch eine je ner Rollen, welche in den Händen Ande— rer im Hintergrunde bleiben; bei dieſer Vorſtellung zeichnete ſich Hr. Fiſcher, als Marquis Poſa, beſonders aus, und wurde gerufen.— Die Gaſtſpiele des
Meiſterſängers Staudigl war für das,
muſikliebende Prager Publikum von großem Intereſſe. Die Parthie des Bertram, in„Robert der Teufel““, kann nur von einem Sänger wie Stau— digl, welcher im Beſiz eines ſolchen Umfangs der Stimme, und ausgerüſtet mit jenen erforderlichen Kenntniſſen, beſonders in Bezug des Rezitativs iſt, den vollen Genuß gewähren; ſtürmi— ſcher Applaus u. oftmaliges Hervorrufen wurde dieſem Meiſter des Geſanges zu Theil. Eben ſo wurde ſein Leporello aufgenommen; daß aber Hr. Staudigl ſpäter den Don Juan ſelbſt darſtellte, iſt mir unbegreiflich; war es Eitelkeit — oder— genug, zum Don Juan iſt weder ſeine tiefe Stimmlage, noch ſein Sprechorgan, am allerwenigſten ſei— ne Perſönlichkeit geeignet, obgleich er das Champagnerlied vortrefflich ſang und wiederholen mußte. Hr. St. möge
ja nie den Don Juan darſtellen, um den großen Eindruk nicht zu ſchwächen. In„Robert der Teufel“ ſang unſere Geſangskünſtlerin Mad. Podhorsky die Iſabella mit außerordentlicher Meiſter— ſchaft, die Trillers, Läufe, Triolen, alles kunſtgerecht und virtuos, doch ſchienen mir die Stakkato's und der Vortrag der großen Arie überhaupt nicht in dem genialen Geiſte der Dem. Lutzer(wenn wir ſchon zu Verglei— chungen, die ſich uns unwillkürlich auf— dringen, geneigt ſind), dagegen waren die andern Piecen, welche früher, ob Mangel des großen Umfangs der Stim— me, welche jedoch Mad. Podhorsky in reichem Maße beſizt, diesmal weit ef— fektreicher und verſtändlicher.— Die Oper:„die Puritaner“ hat unſer Pu— blikum, der neuen Beſezung wegen, in großer Menge angezogen; an der Stelle der Demoiſ. Lutzer ſang Dem. Groſſer die Floira; was Ton und Kraft betrifft, konnte Dem. Groſſer in vollem Maße befriedigen, auch die Fertigkeit in auf- und abſteigenden Gängen war genügend, doch unterliegt ber Vortrag und Geſchmak für die ita— lieniſche Methode, vorzüglich bei der Polonaiſe, einer weitern Ausbil- dung; ſo wenig der deutſche Geſang ei— ne italieniſche Manier leidet, um ſo weniger verträgt der italieniſche leich— te kokette Geſang die deutſche Schwer— fälligkeit.— In Abweſenheit des Hrn. Pöck ſang Hr. Schuhmann die Parthie des Sir Georg ganz erträglich. Nach dem bekannten Duett mit Hrn. Stra- kati(Sir Richard) wurden beide Sän⸗ ger enthuſiaſtiſch gerufen u. zur Wie⸗ derholung kaufgefordert(worüber ſich Hr. Pöck hoffentlich nicht kränken wird.) Hr. Schuhmann, welcher ſich durch mei- ne in dem lezten Berichte gegebene frei⸗ müthige Beurtheilung ſeiner Fähig- keit etwas verlezt fühlte, erſuchte mich freundlichſt—— über ihn ferner


