Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
547
 
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Oie Alte ſah ihn ſchwelgend an, und ſchien ſeine Rede nicht gehört zu baben. Herrmann glaubte, ſie ſei taub, neigte ſich bis dicht an ihr Ohr 4 wiederholte ſeine Worte. Die Alte ſchwieg noch immer.

Sie können, fuhr Herrmann fort,wenn Sie wollen, das Slut mel nes Lebens machen, ohne daß es Ihnen etwas koſte: ich weiß, daß Sie drei Karten nacheinander beſtimmen können

Herrmann hielt inne. Es ſchien ihm als begreife die Graͤfin, was er von ihr fordere, als ſuche ſie Worte, um zu antworten.

Das war ein Scherz, ſagte ſie endlich,ich ſchwöre es Ihnen, 26 war ein Scherz!

Hier iſt von keinem Scherz die Rede, rief Herrmann ärgerlich aus. Denken Sie an Tſchaplitzki, den Sie wieder zu ſeinem Verluſt verhalfen.

Die Gräfin gerieth augenſcheinlich in Verlegenheit. Ihre Geſichtszüge ſprachen eine heftige Gemüthsbewegung aus, indeſſen verfiel ſie bald wieder in ihre frühere Apathie.

Können Sie mir, fragte Herrmann,die drei ſichern Karten nennen?

Die Gräſin ſchwieg; Herrmann fuhr fort:

Für wen wollen Sie Ihr Geheimniß bewahren? Für Ihre Enkel? Ste ſind ohnehin reich, und kennen den Werth des Geldes nicht. Verſchwen⸗ dern können Ihre drel Karten nichts helfen. Wer den elterlichen Nachlaß nicht zu hüten verſteht, wird immer in Armuth ſterben, troz aller dämoniſchen Künſte. Ich bin kein Verſchwender; ich kenne den Werth des Geldes. Ihre brei Karten ſind bei mir gut angebracht. Nun!

Er hielt inne und erwartete zitternd die Antwort. Die Gräfin ſchwieg; Herrmann warf ſich vor ihr auf die Knie.

Wenn Ihr Herz, ſagte er,irgend einmal das Gefühl der Liebe kannte, wenn Sie ſich ihrer entzükenden Freuden erinnern, wenn Sie auch nur einmal bei dem erſten Schrei eines neugeborenen Sohnes lächelten, wenn jemals ein menſchliches Gefühl in Ihrer Bruſt lebte, ſo flehe ich Sie an, bei den Gefühlen der Gattin, der Geliebten, der Mutter bei Allem was im Leben heilig iſt ſchlagen Sie mir meine Bitte nicht ab! entdeken Sie mir Ihr Geheimniß! welchen Werth hat's für Sie? Vielleicht knüpft es ſich an eine ſchwere Sünde, an den Verluſt der ewigen Seligkeit, an ein Bündniß mit dem Teufel. Bedenken Sie es: Sie ſind alt; zu leben haben Sie nicht lange mehr ich bin bereit, Ihre Sünde auf meine Seele zu nehmen. Entdeken Sie mir nur Ihr Geheimniß. Vedenken Sie, daß das Le bensglük eines Menſchen in Ihren Händen ruht; daß nicht nur ich, daß meine Kinder, meine Enkel und Urenkel Ihr Andenken ſegnen, und es wie ein Hei⸗ ligthum verehren werden.

Die Alte erwiderte kein Wort.

Herrmann ſtand auf.

Alte Hexe! rief er, die Zähne zuſammen beißend;nun ſo will ich dich zwingen zu antworten.

Mit dieſen Worten zog er eine Piſtole aus der Taſche. i

Bei'm Anblik der Piſtole zeigte die Gräfin zum zweitenmale eine hef⸗ tige Aufregung. Sie bewegte das Haupt und erhob die Hand, als wolle ſie die Piſtole abwehren. Dann ſank ſie rüklings zurük und lag unbeweglich da.

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