Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
542
 
Einzelbild herunterladen

342

Hr. Karl Eggermayer, welcher, nebſt ſeiner Urbanität auch noch das lobens⸗ würdige Verdienſt hat, der Erſte zu ſein, der Pony's, Maulthier und Eſel zum Hinaafreiten, einführte, und ſo manchen ſchlechten Fußgehern u. Berg⸗ beſteigern zu einem Hochgenuſſe ver⸗ hilft, auf den ſie ſonſt verzichten müß⸗ ten. Ehre dem Ehre gebührt!! Vom Kahlenberge gings, durch einen mit reizenden Partien überſchwänglich aus geſtatteten Thiergarten, hinan zum Herrmannskogel. Wer vermag dieſen Anblik, dieſes himmliche Panorama zu ſchildern, wo man, auf der Spize die⸗ ſes Berges, das liebe Wien, mit all den umliegenden Städten, Dörfern, Bergen und Thälern in einem Um kreiſe von 10 bis 12 Meilen über⸗ ſieht! Was ſind all die gemalten Dio rama's und Panorama's in Fingerka lender-Ausgabe, gegen dies lebendige, große Hochfoliogemälde?! Doch ich merke, Sie machen ein finſteres Geſicht über meine Kahlenberg⸗Extaſe. Sie wünſchen Stadt Theaterneuigkeiten u. nicht eine matte Schilderung deſſen, was ſich nicht ſchildern, nicht beſchrei ben läßt. Zurük alſo in die Ring⸗ mauern der ſonnverbrannten Haupt⸗ ſtadt, wo jezt die unerträgliche Hunds taghize unſere Konverſationen u. Reu⸗ nionen auf den Siedpunkt der Lang⸗ weile und Schläfrigkeit treibt, wo Theater und Schaubuden, wie Kontu mazhäuſer, wie ſiedende Dampfkeſſel gemieden werden, wo jeglicher Handel und Wandel in Stokung gerathen und nur Dehne, Wolfsberger und Hugl⸗ mann, die drei Gefrornen-Matadore noch Geſchäfte machen, und die, vom ewigen Schweiße halbaufgelöſte Menſch⸗ heit, vor dem gänzlichenAusdem leimege hen bewahren. Wenn nun die lieben Leute daheim, hinter Ja⸗ louſien und Gardinen in luftigen Ge⸗ wändern der drükenden Hize Troz bie⸗

00 muß der arme, geplagte Referent hinein in den Muſentempel, zu Feſten und Feierlichkeiten, um ein ruſſiſches Schwizbad zu nehmen, und oft von chineſiſchem Unſinn ſſch engliſche Lang weile zu holen. So hat es auch Hr. Eßlair, der gefeierte, greiſe Mime zu verantworten, daß ich wegen ſeiner, ſo viel Schweißtropfen und Thränen ver⸗ goſſen. Er trat am 16. Auguſt, im k. k. Burgtheater, in Kotzebue'sVru derzwiſt, als Franz Bertram auf und ſpielte mit ſolcher Wahrheit u. Mei ſterſchaft, daß er noch überall, ſeines bedeutenden Alters ungeachtet, die Pal me der vollendeten Kunſt erringen wird. Mad. Fichtner, dieſe liebliche Schau ſpielerin, war als Lottchen ausgezeich⸗ net. Die beiden karikirten Rollen des Grafen Sonnenſtein und Advokaten Eitborn waren in den Händen der Her⸗ ren Herzfeld und Wothe. Konnten ſie in beſſern ſein?! Im k. k. Hof⸗ operntheater debutirte Dem. Cerito, eine intereſſante Blondine, in dem, neu in die Szene geſezten Ballete: Ottavio Pinelli u. fand die gerech⸗ te Anerkennung ihres ausgezeichneten Talentes. Wieder einmal in voll- ſtändiger Beſezung(was bei un⸗ ſerer Oper ziemlich ſelten) wurde lezt⸗ hin dieStumme von Portici gege⸗ ben. Die Dem. Lutzer(Elvira), Herr Wild(Maſaniello) und Hr. Staudi gl (Pietro), dies Trifolium der Virtuo ſität, exzellirten wie immer. Herr Rabenſteiner, der bekannte Tanzmei⸗ ſter, arrangirte am 16. Auguſt ein ſplendides Vallfeſt im Tivoli, welches als ein geſchloſſener bal champetre von ausgewählter, wenn auch nicht ſehr zahlreicher Geſellſchaft, beſucht war. Ein beſonders lieblicher Kranz ſchöner und reizender Damen, im eleganteſten Vallſchmuke, erhöhte ſehr den Reiz dieſes Abends. Man tanzte, man un⸗ terhielt ſich vortrefflich, nur Eines