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disguſtirte— die miſerable Küche. Die Speiſen waren kaum genießbar, und die genießbaren wurden in homsopa⸗ thiſchen Doſen verabreicht. So zum Beiſpiel bekam ich ein Brathuhn, über welches ich noch immer nicht im Rei—⸗ nen bin, ob es ein ausgewachſener Ko— libri, oder ein unausgewachſener Sper⸗ ling geweſen. Bei ſolcher Bedienung der Gäſte iſt es leicht erklärbar, weshalb das ſonſt ſo ſchöne Tivoli ſo ſpärlich beſucht wird. Doch dies wird ſich hof⸗ fentlich ändern; Hr. Demuth, der be— kannte Lampenfabrikant, hat Tivoli, von dem bisherigen Beſizer Hr. Tun— ge an ſich gekauft und wird gewiß be⸗ müht ſein, dieſe Lokalität wieder ins rechte Licht zu ſezen.— Im Theater an der Wien folgte geſtern, den 19. Auguſt, den famoſen„Räubern in den Abruzzen“ ein neues Spektakelſtük: „Ein Uhr“. Neues Pferdegetrampel, Aufzüge, Gefechte, Geiſter zu Fuß u. zu Pferde, kurz ein neues Kunſtrei⸗ terſtük.— Das Theater an der Wien geſtaltet ſich allmälig(si dis favent) zur Reiterbude. Da ſieht man quo fata trahunt— möchtes doch recht bald die Schauſpielerkräfte des beſagten Thea— ters den Pferdekräften des Hrn. Guerra ganz und gar Plaz machen. Die dra— matiſche Kunſt, ſo wie der gute Ge— ſchmak würde durch dieſe Ceſſion nichts leiden. Doch Hr. Direktor Carl lacht ins Fäuſtchen, ganz natürlich! Dieſe Pferdſpektakel werden ihm nicht nur volle Häuſer an der Wien, ſondern auch wieder mehrere neue in Hie⸗ tzing machen. Hr. Direktor Carl. hat nicht nur als Arrangeur in Wien— Talent— ſondern auch ſchon recht hübſche Anlagen in Hietzing.— Geſtern, den 21. Auguſt, war wieder großes Feſt bei der 1 unter dem Ditel:„Ein Abend im Paradieſe““; heute erſchien eine Dem. Danfe, in dem Ballete„Sylphide“, in der Rolle der
unvergeßlichen Dem. Fanny Elsler. Sie gefiel und ward 3 Mal gerufen.— Im Leopoldſtädter Theater wird eine neue boſſe:„Die Wachsfigur“ einſtudirt. — Seit zwei Tagen iſt der Geſangs— goliath Breiting wieder in unſern Mauern. Er kömmt von Petersburg, wo er auf 5 Jahre mit jährlichen 15,000 Rubel Gehalt und 100 Rubel Spiel ho— norar(bei jedesmaligem Auftreten) en— gagirt iſt.— Bei dem am 9. Auguſt Statt gefundenen Zöglings-Konzerte des hieſigen Konſervatoriums, welches der alljährlichen Prämienvertheilung voran geht, zeichneten ſich diesmal im Vortrage von Soloſtüken am Vortheil bafteſten aus: der Zögling Joſ. Huber, welcher ein Konzertino für das Violon— cell von Nomberg, recht con amore ſpielte; dann Mich. Hauſer aus Preß⸗ burg, ein talentvoller Jüngling, wel— cher auf der Violine den erſten Saz eines Lafont'ſchen Konzertes mit Kraft, Geläufigkeit und Ausdruk vortrug, u endlich die Geſangsſchülerin Thereſe Heft welche eine Arie mit Chor aus der Oper„Amazili“ von Pacini mit beſonderer Kehlenfertigkeit ſang. Der hieſige Muſikverein leiſtet viel, doch was läßt er nicht zu wünſchen noch übrig—!— Unter die Kurioſa des Tages gehört auch folgendes: Ein or— dentlich gekleideter Mann begab ſich jüngſtens zu dem Goldarbeiter Hrn. M. in der Vorſtadt und bot ihm ein Paar Ohrgehänge zum Kaufe an. Hr. M., eben beim Schmelztiegel beſchäftigt, wies ihn mit dem höflichen Vedeuten ab, daß er von ganz unbekannten VPer— ſonen nie etwas zu kaufen pflege. Auf dieſe abſchlägige Antwort entfernte ſich nun der Fremde aus der Werkſtätte und ging, von Hr. M. begleitet, durchs Wohnzimmer. Schon an der Thäre, fing er mit einem Male jämmerlich zu ſchreien an. Der Goldarbeiter ganz betroffen, führte den Fremden zu ei⸗


