Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
541
 
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tirung u. pikanten Modulation zu ver⸗ binden wußte, reicht auch hin, dem⸗ ſelben den Adelsbrief der Unſterblich⸗ keit zu ſichern. Welch' hohe Kraft bei tiefer Empfindung, welch erhabe ner Ausdruk bei üppiger Fantaſie wal ten in dieſem großartigen dramatiſchen Tongemälde, in dem die Kunſt in ih⸗ rer ganzen Würde, von allem erborgten Schimmer, hohlem Klingklang, und allen geſuchten kleinlichen Effekten frei und entſtellt prangt! Iſt aber ſchon der Antheil, den wir gewöhnlich an der Darſtellung dieſer Oper neh men, nicht geringe, ſo mußte er durch die Ausſicht auf den Genuß der heu- te zu erwarten ſtand, noch um Vieles geſteigert werden. Erwähnen wir, wie gebührlich, der Gäſte zuerſt, ſo war Hr. Wurda ganz der im Sinne des Dichters wie des Komponiſten aufge faßte Licinius, der den Stolz, die Wörde, das Selbſtbewußtſein u. Selbſt⸗ vertrauen des römiſchen Triumphators mit eben der Kraft u. dem Feuer aus⸗ malte, als er im Ausdruke ſeiner Liebe zu Julia zarte Innigkeit, ſchwärme⸗ riſches Gefühl u. leidenſchaftliche Glut zu entfalten wußte. Hierbei entwikel⸗ te er alle jene eminenten Vorzüge, die ſeine herrliche Bruſtſtimme ſo vortheil⸗ haft charakteriſiren. Nur in der Sze⸗ ne des Triumphzuges hätten wir et was mehr deklamatoriſchen und effekt⸗ vollen Ausdruk, anſtatt der Weigl'ſchen Arie im 5. Akte aber die Original⸗ kompoſition zu hören gewünſcht. Dem. Carl ſang die Julie mit der ge⸗ wohnten Kraft und Feuer, namentlich im 2. Akte, wo der Künſtlerin eine rieſige Aufgabe geſtellt iſt. Aber auch die rührenden u. ergreifend tragiſchen Akzente der Liebe drükte ſie mit wür⸗ devoller Leidenſchaftlichkeit aus. Hrn. Oberhoffer wollen wir heute vorzugs weiſe ob der Klarheit und Deutlich⸗

keit, womit er der höheren Töne Mei-!

ſter wurde, beſondere Anerkennung zollen. Ihm gebührt ein weſentlicher Antheil an dem Beifall, deſſen ſich das Eingangsduett, das allein ein gan⸗ zes Duzend moderner Opern aufwiegt, zu erfreuen hatte. Hr. Kaler war Pon⸗ tiferx, demnach ein Eingeweihter im innerſten Geſangsheiligthum. Demoiſ. Walter überraſchte uns durch gelunge ne Durchführung ihrer überaus ſchwie rigen Parthie. Chöre und Orcheſter verdienen ebenfalls die beifälligſte Er⸗ wähnung. D. N.

Mignon ⸗Zeitung.

Feuiletton aus Wien. VIII. Peccavi, domine peccavi!! Sie verlangen ein Feuilleton aus Wien, und ich war einige Tage abweſend; ich hatte mich von dem ſchönen Wetter, guten Freunden und von meinem be ſten Freunde, von mir ſelbſt, verleiten laſſen und machte Ausflüge in die herrlichen Umgebungen unſerer Reſi denz. Keine Hauptſtadt Europa's kann ſich rühmen, ſo eine romantiſch-ſchöne, ſo eine abwechslungsreiche Umgegend, in ſo kleiner Entfernung zu beſizen. Gleich einem gold'nen Diadem, in wel chem Brillanten an Brillanten Sma ragde an Smaragde ſich reihen, ſchlin gen ſich die unzähligen Ortſchaften, um die edle Schläfe der holden Vindobona, und ein blendend Perlen-Kollier bildet die impoſante Kette des freundlichen Kahlengebirges. In Geſellſchaft dreier liebenswürdiger Damen machte ich auch eine Kavalkade auf niedlichen Grin zinger Pony's, hinauf zum Großpapa Kahlenberg, auf deſſen Plateau, vom Kaſſinogarten herab, die überraſchend⸗ ſte Fernſicht, dem wonn'erfüllten Auge ſich darbietet. Labung und Erfriſchung, nach ſtundenlangem Ritte, reicht da oben, in Speiſen und Getränken, der artige u. zu vorkommende Kaſſinowirth,

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