540
Als die Beamten der Armenanſtalt die mildthätigen Perſonen, deren Namen in jenen Notizen ſtanden, von dem Vetruge benachrichtigten, deſſen Opfer ſie geweſen, wollten es die Meiſten nicht glauben, indem ſie verſicher— ten, die in den Briefen erwähnten Umſtände könnten nur ihnen und den Brief— ſtellern bekannt ſein. Auch dazu fand ſich die Erklärung. Der Mann ging häufig nach Greenwich, gab den alten Matroſen dort zu trinken, fragte nach ihren Namen, ließ ſich ihre Abenteuer erzählen, und die Namen der Obern nennen, unter denen ſie gedient.
Die Invaliden ſagten dies natürlich ohne Umſtaͤnde. Die Polizei, der dieſe Dinge ſchon lange verdächtig vorgekommen waren, beobachtete jenen Mann und verhaftete ihn nebſt ſeiner Mitſchuldigen, welche die weiblichen Rollen ſpielte, in dem Hauſe des Lords Sandon, als er eben einem Bedien- ten deſſelben eine Bittſchrift als unglüklicher Matroſe übergab. Das Betrü—
gerpaar wurde zu dreimonatlichem Gefängniß verurtheilt.
Ansichten. U
Theater.
Pe ſt h.(Ungariſches National⸗ theater.) Am 22. d. M. fand die Er⸗ öffnung des ungariſchen Nationalthea— ters ſtatt. Die drükende Hize und die doppelt erhöhten Preiſe konnten doch nicht verhindern, daß das Haus ſich ungemein füllte. Die Aufnahme war, wie zu erwarten, enthuſiaſtiſch, und der feſte Vorſaz des Vublikums, dieſes aus reinem Patriotismus entſtandene Werk aus allen Kräften zu unterſtü— zen, ſprach ſich bei dieſer erſten Vor— ſtellung unzweideutig aus. Wir halten uns bevor, über die äußere u. innere Einrichtung dieſes neuen Muſentempels in der Folge etwas Näheres mitzuthei— len. Nur ſo viel für jezt, daß der Glanz und die Zwekmäßigkeit der Ausſtat— tung alle Erwartung überboten. Ge— geben wurde am erſten Abend ein Vor— ſpiel von Vörösmarty:„Arpads Er⸗— wachung“(„Arpad ebredése“) hierauf eine Ueberſezung von Schenks Tragödie:„Beliſar.“ Die Geſellſchaft beſteht aus dem Kern der ungariſchen Schauſpieler, 5 wußte ſich die lau⸗
rthei
le. Begebnisse.
teſte Anerkennung zu verſchaffen. Am 25. gab man das Original-Luſt⸗ ſpiel von Kisfaludy:„Tsalédäsok“ („Täuſchungen“) bei mäßig beſuchtem, am 24.„Griſeldis“ bei ziemlich vollem Hauſe. M. (Deutſches Theater.) Am 21. d. M. zur Benefize des Hrn. Wurda:„die Veſtalin.“ Hr. Wurda, Dem. Carl als Gäſte.— Es ſind nun 30 Jahre, daß die Pariſer Akademie dieſem Mei— ſterwerke Spontinis den Preis zuer— kannte, und wenn auch Neid, Miß⸗ gunſt oder ſchlechter Geſchmak des Fran— zoſen Leſueurs„Barden“ eine des Preiſes würdigere Oper nannte, ſo hat die öffentliche Stimme ſowohl als die Zeit, dieſe unbeſtechliche und wahr⸗ hafte Richterin, ein anderes Urtheil gefällt: Leſueurs„Barden“ ſind der Vergeſſenheit anheimgefallen, während die„Veſtalin“ noch heutzutage den profanen wie den gebildeten Muſiklieb⸗ haber ins Theater lokt. Aber dieſe rieſige Schöpfung des genialen Tonſe— zers, der die Einfachheit und dekla⸗ matoriſche Charakteriſtik Gluks mit den Effekten einer reichen Inſtrumen⸗
1


