Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
522
 
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* bog Paroli und Sirzleva, ſein Verluſt war eingeholt. Doch es iſt Zeit zum Schlafen. 3 Es war auch in der That ſchon Tag. Die jungen Leute leerten ihre Glaͤſer und gingen auseinander.

II.

II parait, que Monsieur est décidément pour les suivantes. Que voulez-Vous, Madame? Elles sont plus fraiches.

Unterhaltungen der großen Welt.

Die alte Gräfin* ſaß in ihrem Boudoir vor dem Spiegel. Drei Kammermädchen ſtanden um ſie her. Eine hielt eine Schminkdoſe, eine andere ein Körbchen mit Steknadeln und die dritte eine hohe Haube mit feuerfarbe nem Bande. Die Gräfin machte nicht den mindeſten Anſpruch auf eine längſt entflohene Schönheit, folgte aber, mit Beibehaltung ihrer Jugend-Gewohn heiten, ſtrenge den damals herrſchenden Moden und machte eine eben ſo lange und ſorgfältige Toilette als ſechszig Jahre früher. Am Fenſter ſaß am Näh rahmen ein junges Frauenzimmer, ihre Pflegetochter.

Guten Morgen, grand' maman, rief, in's Zimmer eintretend, ein junger Offizier.Bon jour, Mademoiselle Lise. Grand' maman, ich habe eine Bitte an Sie.

Was wünſcheſt du, Paul?

Erlauben Sie, daß ich Ihnen einen meiner Freunde vorſtellen und Frei

tag zum Ball mitbringen darf. 51

Bringe ihn geradezu auf den Ball und ſtelle mir ihn dort vor. Warſt du geſtern bei 2

Was ſollt' ich nicht! Man war ſehr luſtig; der Tanz dauerte bis fünf Uhr: wie hübſch war die Jeletzka!

Ach, mein Guter! Was findeſt du hübſch an ihr? Da war ihre Groß mutter, die Fürſtin Daria Petrowna, bei weitem hübſcher doch jezt muß ſie ſehr alt geworden ſein. f

Wie? alt geworden? antwortete Tomski leichthin;es ſind ja ſieben Jahre her, da ſie ſtarb.'

Das junge Frauenzimmer ſah auf und machte dem jungen Mann ein Zei⸗ chen. Er erinnerte ſich, daß man der alten Gräfin den Tod ihrer Altersge fährtin bisher verſchwiegen hatte und biß ſich in die Lippen. Aber die Gräfin hatte die Nachricht, die ihr neu war, mit großer Kaltblütigkeit aufgenommen.

Geſtorben alſo, ſagte ſie,das wußte ich nicht! Wir wurden zuſam⸗ men zu Hof⸗Fräuleins ernannt, und als wir vorgeſtellt wurden, ſagte die Kaiſerin

Und nun erzählte ſie ihrem Enkel zum hundertſten Mal ihre Anekdote.

Nun, Paul, ſprach ſie darauf,hilf mir jezt aufſtehen. Liſinka, wo iſt meine Doſe?

Die Gräfin begab ſich mit ihren Mädchen hinter einen Schirm, um ihre Toilette zu beendigen. Tomski blieb bei dem jungen Frauenzimmer.

Wen wollen Sie vorſtellen? fragte Liſaveta Ivanowna leiſe.

Narumoff. Kennen Sie ihn?

Nein! Iſt er Militär oder in Zivildienſten?