Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
523
 
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Militär. 5

Ingenieur? 5

Nein! Kavalleriſt. Aber. 61570 Sie voraus, daß er Inge nieur ſei?

Das junge Frauenzimmer lächelte und ſagte kein Wort.

Paul rief die Gräfin hinter dem Schirm,ſende mir irgend einen neuen Roman, nur, ich bitte dich, nicht von den jezigen.

2Wie meinen Sie das, grand' maman?

Ich meine, einen Roman, wo der Held weder Vater noch Mutter todt ſchlägt und wo es keine ertrunkene Menſchen gibt. Ich habe eine entſezliche Furcht vor ertrunkenen Menſchen!

Solche Romane gibt es jezt nicht. Wollen Sie vielleicht ruſſiſche Ro mane leſen?

Ruſſiſche? Hat man den ruſſiſche Romane? Schike mir welche, ich bitte dich, ſchike mir welche! 8

Adlieu, grand' maman! ich eile Adieu, Liſaveta ee ee Wes⸗ halb glauben Sie, daß Narumoff Ingenieur ſei?

Und ſomit verließ Tomski das Zimmer.

Liſaveta Ivanomna blieb allein: ſie legte ihre Arbeit bei Seite und ſah aus dem Fenſter. Vald erſchien an der entgegengeſezten Straßen-Eke ein junger Offizier. Sie erröthete, ſezte ſich wieder zur Arbeit und ſenkte ihr Haupt faſt bis zum Nährahmen herunter. In demſelben Augenblik trat die Gräfin völlig angekleidet heraus.

Liſinka, befiehl, daß man den Wagen anſpanne, wir wollen ſpaziren fahren.

Das junge Frauenzimmer erhob ſich und kramte ihre Arbeit zuſammen.

Aber ſage mir, Kind, biſt du taub? rief die Gräfin.Spute dich und laſſe den Wagen anſpannen.

Sogleich, antwortete Liſinka leiſe und lief in's Vorzimmer.

Ein Diener trat in's Zimmer und überreichte der Gräfin Bücher vam Fürſten Pawel Alexandrowitſch.

Gut! Ich laſſe mich bedanken, ſagte die Gräfin.Liſinka, Liſinka, wo läufſt du hin?

Ich will mich anziehen.

Dazu haſt du noch Zeit genug. Seze dich zu mir. Schlage den erſten Theil auf; lies laut

Liſinka nahm das Buch und las einige Zeilen her.

Lauter! ſagte die Gräfin.Was iſt dir, Mädchen? Haſt du deine Stimme verloren? Warte: rüke den Schemel näher, noch näher, nun!

Liſinka las noch etwa zwei Seiten. Die Gräfin gähnte. f

Wirf das Buch weg, ſagte ſie,welch' albernes Zeug. Sende es dem Fürſten Pawel zurük und laſſe recht ſehr danken. Aber wie iſt es mit dem Wagen?

Der Wagen iſt bereit, antwortete Liſinka, einen Blik auf die Straße werfend.

Und du biſt noch nicht angezogen, immer muß man auf bich warten! Es iſt wahrlich nicht auszuhalten.