Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
518
 
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die bleiernen Gewichte an der Wand⸗ uhr. Um ſo verdienſtlicher iſt es, daß Dem. Mäller die Aufmerkſamkeit des Publikums in ſo hohem Grade rege zu erhalten wußte. Sie erhielt in bei⸗ den Stüken den wärmſten Applaus. Am 12. gaſtirte Hr. Wurda als Elea zar in derJüdin. Wie ſehr dieſer unſer Landsmann in der Gunſt des Publikums ſteht, mag der rauſchende Empfang und der Lorbeerkranz bewei ſen, der ihm unter allgemeinem Bei fall zugeworfen wurde. Allerdings iſt Hr. Wurda ein vorzüglicher, mit al len Berufsmitteln herrlich ausgeſtatte⸗ ter Sänger, deſſen ſeltenes Talent eine umſtändlichere Würdigung ver dient. Für diesmal wollen wir ihm unſere Bewunderung u. Dank für den Vortrag der Arie im 4. Akte ausdrü ken, die früherhin bei uns nicht ge ſungen wurde, und die, mag man nun Stimme, muſikaliſchen oder deklama toriſchen Vortrag berükſichtigen, un⸗ ſtreitig eine koloſſale Leiſtung genannt werden muß. Weniger ſind wir mit der Sonderbarkeit einverſtanden, in der der geſchäzte Sänger ſtellenweiſe den nationalen Dialekt vorſchlagen läßt. Wenn wir nicht ſchon aus dra⸗ maturgiſchen Gründen dieſer Anſicht entgegen wären, ſo fänden wir ſie ſchon darum rügenswerth, weil der ge ſchäzte Gaſt ſie nicht mit Konſequenz durchzuführen vermag, und gerade da durch die vermeintlich künſtleriſche Auf faſſung in der Darſtellung unkünſtle riſch wird. Hr. Wurda wurde mehre remal ſtürmiſch gerufen. Hr. Ka ler ſang an dieſem Abende ſchöner als je, und dieſer Eleazar muß wahrlich von Stein ſein, daß er ſich von ſol chen Tönen nicht rühren läßt. Ehren⸗ volle Erwähnung verdienen die Damen Piehl und Rauch, ſo wie die Herren Stoll und Rott. D. N.

Wien(11. Aug.). Geſtern trat Hr. Eßlair, vom Münchner Hofthea⸗ ter, in Ifflands:Dienſtpflicht auf und bewährte ſeine Meiſterſchaft auch in ſeinem 72rten Jahre. Der Name Eßlair hat einen bedeutenden Klang und ſein Kammerrath Dallner iſt viel⸗ leicht das höchſte, was Kunſt leiſten kann. Ich weiß nicht recht, war die Kunſt Natur, oder die Natur Kunſt. Ich bin zwar ein Rezenſent, aber ich habe dennoch geweint, geweint ſag ich Ihnen, wie man heut zu Tage über Rezen ſenten weinen muß. Hr. Eßlair wurde rauſchend empfangen, bei jedem Ab⸗ gange applaudirt und in den Zwiſchen akten ſo wie am Schluſſe ſtürmiſch ge rufen, wo er mit wenigen Worten ſeinen herzlichſten Dank ausſprach. Von den andern Mitwirkenden in un ſerm Hoftheater iſt es bekannt, mit welchem Eifer ſie Gäſte, und nament- lich ſolche unterſtüzen. Vor allen aber nenne ich Hrn. Lucas,, der ſich in der kurzen Zeit ſeines Engagements, durch ſeinen unermüdeten Fleiß und raſtloſes Streben ein bedeutendes Pläzchen in der Gunſt des ſtreng richtenden Burg theater⸗Publikums ſich erworben. Herr Lucas gab den Liſtar, den edelmüthi gen rechtlichen Mann, mit ſo vieler Künſtlerſchaft, daß er während ſeinen Szenen durch lauten Beifall unterbro chen wurde. Ehre dem Ehre gebührt. Hr. Lucas iſt ein junger beſcheidener Mann, deshalb verdient er immer be beſondere Erwähnung, obſchon Beſchei⸗ denheit heut zu Tage keinen blanken Heller einträgt. Möge er fortfahren auf dieſer ehrenvollen Bahn, und ich wünſche ihm die Früchte die ſein Ei⸗ fer, ſein Bemühen verdient.

Reinecke Fuchs.

Temesvar(11. Auguſt). Seit der Ankunft des Herrn Direktors,