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Wenn Sie mich für den groͤßten Voper in der Welt halten, warum ſagen Sie denn, daß ich leicht zu beſtegen ſei? Warum wollen Sie mich bei Anderen in einem andern Lichte erſcheinen laſſen, als in demjenigen, in welchem Sie mich ſehen? ö
Es geſchieht, ſagte er geheimnißvoll, um die Boxer zu ködern, ſonſt würden ſie ſich nicht mit Ihnen ſchlagen. Beißen ſie aber nicht das erſte Mal an, ſo werde ich einen zweiten Artikel machen; verlaſſen Sie ſich darauf.
Ich dankte und ſagte ihm, ſein zweiter Artikel werde das Schikſal des erſten haben, denn ich ſei entſchloſſen nicht zu boxen. Der Menſch quälte mich von Neuem darum, als er aber ſah, daß ich unerſchütterlich blieb, kam er wieder auf meinen Seitenhieb zurük, auf dieſen bewundernswürdigen, un— erhörten Hieb, der den Raum wie der Bliz durchfuhr, und den Niemand ver— ſezen ſah, und bat mich, ihm denſelben zu zeigen. Ich ſchlug es ihm rund ab, und ſagte, ich wolle ihn ſo lange für mich behalten, bis mir meine Re— gierung das Erfindungspatent für dieſe nüzliche Erfindung gegeben habe. Ich trank darauf ein Glas Grog auf ſeine Geſundheit, nahm ſodann mein Licht,
wünſchte ihm eine gute Nacht und ging auf mein Zimmer.
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Theater.
Peſt h.(Dem. Müller. Hr. Wur⸗ da.) Am 11. ſezte Dem. Mäller ihre Gaſtſpiele auf hieſiger Bühne fort. Im„Tagebuche“ hatte die liebens— würdige Gaſtin einen ſchweren Stand, da dieſe Leiſtung eine der glänzendſten unſerer vielgeſchäzten Grill iſt; aber ein gerechter Beurtheiler wird neben dem Vortrefflichen auch das Gu⸗ te anerkennen, und, weil er eine Lei⸗ ſtung in ihrer ganzen Glorie zu ſehen gewohnt iſt, das minder Geniale nicht mit Geringſchäzung behandeln. Dem. Müller ſpielte mit Geiſt und Gefühl und ſchlug alle Tonarten, die zur wirk— ſamen Repräſentation dieſes Charak- ters erforderlich ſind, mit graziöſer Ge⸗ läufigkeit an.—„Des Goldſchmieds Töchterlein“ iſt ſelbſt als Bagatelle zu mittelmäßig. Selbſt die einzige Tugend aller Vagatellen, die Kürze, vermißt man darin, u. nur die ſchlep⸗ pende und gähnenerregende Langweile
Ansichten. Urtheile. Begebnisse.
des Mittelalters macht ſich in charak—⸗ teriſtiſcher Breite geltend. Haben wir in Balladen, Romanzen u. Sagen à la Fouqué dieſen mittelalterlichen Abge— ſchmaktheiten nicht oft genug begeg— net, müſſen ſie uns auch noch auf der Bühne verfolgen? Auf Koſten der Schönheit und dramatiſchen Gerechtig— keit wird da auf eine Geſtalt blenden— des Licht gehäuft, während die Neben— perſonen in dunklem Schatten ſtehen, und das ſchillernde Kolorit, in dem die Hauptfigur glänzt, iſt nicht Ent— ſhädigung genug für die bloße Unbe— deutendheit und farbloſe Haltung der Umgebung, wodurch auch das Ganze ſo matt und intereſſelos wird. Dieſer Ritter von der traurigen Geſtalt, der als Ritter zu viel Pilger, als Pilger zu viel Ritter iſt; dieſer Goldſchmied, das Prototyp aller bleiernen Spießbür⸗ gerlichkelt, bewegen ſich ſo monoton und gemeſſen um dieſes Püppchen, das blos darum einigen Reiz hat, weil es ein weibliches Püppchen iſt, wie


