Theodor Müller, ſteigt der Vau des neuen Theaters, wie durch Zauber⸗ ſchlag raſch empor, und es erwächſt die Hoffnung, daß die Verſicherung des Di— rektors Müller, im Oktober 1857 das neue Theater zu eröffnen, zur Wahr— heit werde. Der wohlgeſinnte Thea— terfreund, der irgendwo meint, daß das Theater wahrſcheinlich bis 1858 auf den Zimmerplaze liegen werde, hat ſich auch diesmal, wie in allen ſeinen gutgemeinten Vorherſagungen an an— dern Orten, geirrt. Zu ſeiner Beru⸗ higung möge er erfahren, daß das Räth⸗ ſel, wo das Geld zu dieſem Bau her— zunehmen ſei, bereits gelöſt, und der Baumeiſter ſchon vollſtändige Vefriedi— gung von dem eigenen Vermögen des Bauherrn, Direktor Müller, erhalten hat. Die prachtvolle Dekorirung des äußern Schauplazes wird in der Ta— peten-Fabrik des Hrn. Klobeſcher in Wien angefertiget, die neue Aſtral— Lampe aus der Werkſtätte des k. k. privilegirten Lampen-Fabrikanten Hrn. Demuth in Wien hervorgehen, wohin Hr. Direktor Müller vor einigen Ta⸗ gen abreiſte, um dieſe Gegenſtände in Empfang zu nehmen. L.
Mignon ⸗Zeitung.
Buntes aus Paris. Auf dem Kirchhof des Pere Lachaise in Pa⸗ ris werden jezt die Grabmäler mehrere berühmten Perſon, unter andern von Lafontaine und Molière, ſo wie von Abälard und Heloiſe, auf Koſten der Stadt reſtaurirt.— Man hat bis her Hunde wohl mit Löwen, aber nie mit Wölfen, wie man ſagt, in gutem Ein⸗ vernehmen leben ſehen. Um ſo bemer⸗ kenswerther iſt daher die Vertraulich⸗ Leit, welche dermalen zwiſchen einem
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großen Wolfe und einem armſeligen Baſtardhund in einem Käfige der hieſi⸗ gen Pflanzengartenmenagerie herrſcht. Das ſchwache Thier weiß ſich bei dem Wolfe ſo ſehr in Reſpekt zu erhalten, daß dieſer vor dem Willen ſeines Mit⸗ inwohners demüthig und faſt kriechend daher ſchleicht.— Hr. D..., ein vor mehreren Monaten hier verſtorbe— ner Wechſelagent, hatte auf Ehren— wort eine bedeutende Wette mit Herrn B.... einem dortigen reichen Kapita⸗ liſten, gemacht. Der Leztere begab ſich am 21. v. M. zu der Wittwe des Hrn. D., um ſie davon in Kenntniß zu ſe⸗ zen, daß ihr Mann eine Wette von 16,000 Fr. gemacht, daß er ſie verlo— ren habe, und daß er ſich erkundigen wolle, ob es ihre Abſicht ſei, die von dem Verſtorbenen freilich nur mündlich eingegangene Verpflichtung zu erfül⸗ len. Mad. D., ohne ſich einen Augen⸗ blik zu beſinnen, ſchloß ihren Schreib— tiſch auf, nahm ihr Portefeuille her— aus u. wollte eben die verlangte Sum— me aufzählen, als Hr. B. ſie in die⸗ ſem Geſchäfte durch folgende Worte unterbrach:„Da Sie der Meinung ſind, Madame, daß die Wette giltig iſt, ſo überreiche ich Ihnen hier 16,000 Franken; ich habe verloren.“— Kürz⸗ lich beſtiegen ſechs junge Damen einen Fiaker u. ließen ſich nach dem Gehölz von Vincennes fahren. Der Kutſcher bemerkte, daß irgend ein Geheimniß bei dieſer weiblichen Verſammlung ob— walte, und daß beſonders zwei jener Damen lebhaft anfgeregt ſchienen. Es war auch allerdings Grund dazu vor— handen, denn es waren zwei vorma— lige Freundinen, von denen eine der andern ihren Liebhaber weggekapert hatte. Die verlaſſene Geliebte hatte ihre begünſtigte Nebenbuhlerin auf Piſtolen gefordert, dieſe das Duell an⸗ genommen, und ſie begaben ſich zu dem Ende mit ihren Sekundantinen nach


