Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
495
 
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Verlangen, dieſer ſpaniſche Natio naltanz wiederholt werden, und doch findet man immer neuen Reiz darin. Iſt das aber auch ein Tanz! Verkriecht Euch Tanzmerſter aller Zonen! hier könnt Ihr ſelber in die Schule gehen! Delle. Jenny Lutzer, dieſe anſpruchloſe Künſtlerin, würzte uns oft die Ballet⸗ Abende, durch den meiſterhaften Vor trag der ſchwerſten Opernarien; es wa⸗ ren Intermezzo's, Zwiſchengerichte köſt licher Art, wahre Hautgout-Viſſen. Des Großveziers aller Tanzmuſik-Kom⸗ poniſten Strauß's Benefize:Ein Abend in Venedig, wurde am 25. Juli mit dem glänzenden, geſchmakvollen Pompe und Aufwande, der ein jedes Feſt die⸗ ſes Walzer-Paganinis auszeichnet, im k. k. Augarten abgehalten. Das große Nondeau ſtellte im ſtrahlenden Lam⸗ penſchimmer den St. Mark usplaz, mit dem Dogenpallaſte, den großen Mar morſäulen und den Flaggenbäumen, recht naturgetreu vor. Wahrhaft groß artig geſtaltete ſich jenes Zauberbild wo Tauſende von Lampen ein feurig Rundgemälde, wie auf dunklem Lau⸗ besgrün hingehaucht, dem glanzgeblen deten Auge darſtellten. Vier Mu ſik⸗ chöre wechſelten unausgeſezt in der Aufführung der beliebteſten Muſikſtü⸗ ke. In der langen luſtererleuchteten Hauptallee fluthete die Menge auf und ab. Wenn auch dieſem Venedig die Seufzerbrüke mangelte, ſo gab es doch Ueberfluß an Seufzeralleen. Im Saale ſelbſt flogen nach Strauß's Geige, wie nach Hüons Zauberhorn, die von der Walzer-Tarantelle geſtoche nen Paare im Kreiſe umher. Hoch auf, bis an den Platfond wirbelten die Staub wolken, und mitten darin wogten, wie luftige Geſpenſter, Menſchenformen. Wenn man die Tanzwüthenden, mit den von fingerhohem Staube bedekten Kleidern, mit den glühenden Geſichtern, anſah, ſo mußte man wahrlich glau

ben, einem Toll häusler-Valle in Ved⸗ lam oder gar einer Valpurgisnacht auf dem Broken beizuwohnen! An dem⸗ ſelben Abend gab es noch mehrere Feſte zur Feier des Annatages. So war auch auf dem Waſſerglacis, zum Beſten des kaiſ. kön. Waiſenhausfonds, eine gro⸗ ße Abendunterhaltung arrangirt. Der Muſikdirektor, Herr Franz Morelly, ſpielte unter anderem ſeine allerlieb⸗ ſten, neueſten Walzer:Grätzer Tän⸗ ze und das frappant zuſammengeſtell⸗ te Potpourri:Buntes aus der Zeit. Beide Stüke wurden mit ungemeinem Beifall aufgenommen. Gegen 10 Uhr wurde ein Feuerwerk abgebrannt, nach⸗ dem, durch langes Warten, der Un⸗ muth der Anweſenden auf's Höchſte ge ſtiegen war, und ſich durch lautes Pfei⸗ fen und Murren kund gab. Unſere deutſche Oper lebt jezt ſehr zurükge zogen und beſcheiden. Die Delles. Els ler drängen ſie in den Hintergrund. DieBallnacht, welche ſich lezthin zeigte, erlebte ein hier ungewöhnliches Fiasco, durch miſerable Beſezung. Mad. Stöckl-Heinefetter, als Reuterholms Gemahlin, ſprach nicht an(wohl nur wegen Unpäßlichkeit), Dem. Diehlen, vom Theater an der Wien, gab den Pagen und mahnte ſehr an die Wahl verwandtſchaft zwiſchen Pagen und Petſchen; Hr. Tichatſchek(Olaf) führte die totale Niederlage der ſonſt ſo beliebten Oper herbei. Im Thea ter an der Wien gibt's jezt Mordſpek⸗ takel! Hr. Guerra mit ſeiner Reiter geſellſchaft führt, im Bunde mit den Künſtlern jener Bühne, große Spek⸗ takel⸗Pantomimen mit Chören auf. Ich ſah daſelbſt, Donnerſtag, am 27. Juli,Die Räuber in den Abruzzen, eine an Knalleffekt überreiche Pantomime. Die Augen vermögen nicht, dieſes chaotiſche Gewirre zu überſehen, wo eine ganze Muſikbande, eine Un⸗ zahl Soldaten, Reiter und Räuber