Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
494
 
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Lang(Agamemnon) und Hr. Dietrich (Moriz Teufel) ſpielten ſehr waker u. erwarben ſich verdienten Applaus. In⸗ deſſen ließ das Ganze ziemlich kalt. Am 1. d. M. kam WebersFreiſchüz in die Szene, in welcher Oper Herr Lehmann den Max zur dritten Gaſt rolle gab. Hr. Lehmann hatte diesmal das Glük, allgemein anzuſprechen u. mit vollem Rechte. Er ſang und ſpiel⸗ te ſeinen Part recht lobenswerth und ward diesmal nicht durch unartiges Zi⸗ ſchen außer Faſſung gebracht. Die erſte Arie beſonders trug er mit Schmelz und hinreißendem Gefühle vor. Seine Stimme klingt zwar nicht ſchmetternd, aber angenehm u. wohltönend. Er ward wiederholt gerufen. Mad. Piehl ſang die Agathe trefflich und bewies, wie ſehr der deutſche tragende Geſang in ihrer Sphäre liegt. Sie gab den Worten Ausdruk und Gefühl und wirkte auf Gehör und Herz. Sie erhielt lebhaf ten Beifall. Hr. Kaler(Kaspar) war excelent, Dem. Padjera(Aennchen) verdienſtlich. Hag.

Mufſik.

Schemnitz. Sie werden ſich wundern, wenn ich Ihnen berichte, daß in unſerer Bergſtadt allen andern Städten Ungarns mit dem Beiſpiel vorangegangen und zum Beſten des für den unſterblichen Mozart in Salz burg zu errichtenden Denkmals ein. Konzert gegeben wurde. Dies geſchah am 11. v. M. von Seiten einer hie⸗ ſigen Geſellſchaft von Muſikfreunden u. die große muſikaliſch-deklamatoriſche Akademie zeichnete ſich ſowohl durch eine geſchmakvolle Auswahl der Piecen als durch die meiſt ſehr gelungene Exe⸗ kutirung derſelben aus. Vorzüglich machte eine Dame durch ihr treffliches Spiel eines Violinkonzertes v. May⸗ ſeder Senſation, und die Pianoforte

Variationen von Böhler in Verbindung mit einer Phantaſie v. Thalberg wur⸗ den mit Virtuoſität vorgetragen. Es ſind nicht viel weniger als 200 Gulden eingegangen, die bereits ihrer Veſtim⸗ mung zugefloſſen. Ehre dem Kunſtſinn unſerer Stadt! l.

Mignon⸗Zeitung.

Feuiletton aus Wien.

V. Man ſchimpfe mir noch über das

fade Leben in der Reſidenz während der Sommermonate, man faſele von den Freuden des Landlebens, wo es heuer Langweile regnet und Unmuth hagelt; ich laſſe nichts über die Stadt kommen! Eine ſolche Woche, wie dieſe, wiegt lange eine ganze Land- oder Bad⸗Saiſon auf. Was ſahen, was hör ten wir nicht Alles in dem kurzen Zeitraume von acht Tagen 2! Elsler, Lutzer, Strauß und Guerra überboten ſich, um eine merkwürdige Epoche in den Erheiterungs-Annalen Wien's zu ſchaffen. Dieſe acht Tage waren ein ewig neuer Champagnerrauſch, ein ſort geſezter Sinnenkizel, eine Strekchara⸗ de des Frohſinns! Ich möchte gerne das Geſehene, Genoſſene, Empfundene mit heißer Farbenglut malen, doch der Stoff, die Menge erdrükt mich. Wollte ich nur über die Ideale der Kunſt, Grazie und Liebenswürdigkeit, über die hochgefeierten Delles. Elsler mein Gefühl in Worte faſſen, ein Foliant reichte nicht hin, dieſe Kunſtleiſtungen zu ſchildern. Dieſe beiden Tanz-Ge⸗ nien traten dieſe Woche bereits drei mal mit ſtets wachſendem, ſtets ſtür⸗ miſcherem Beifalle auf. Das Pasdedeux aus dem Valletele diable boiteux der beiden, die Cachucha der Delle. Fan⸗ ny ſind das non plus ultra der Tanz⸗ kunſt. Ja, an dieſer Cachucha kann man ſich gar nicht ſatt ſehen! Vel je⸗ der Vorſtellung muß, auf tobendes

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