Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
493
 
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Ich kann Euch nicht ſagen, durch welche Verkettung von bizarren Um ſtänden es kam, daß ich mich dem Sieger zu Norfolk gegenüber befand; ich weiß nicht, welches Verhängniß mir in jedem Augenblik die Gelegenheit ent zog, die Wettenden über ihren Irrthum aufzuklären. Als ich reden wollte, benahmen ein lärmendes Geſchrei, Wetten, die von allen Seiten her ſich durch kreuzten, und Hurrahs mir die Sprache; und wenn es mir manchmal gelang zu ſagen, daß ich kein Boxer ſei, kamen alle wieder auf den Gedanken zurük,

daß ich inkognito bleiben wolle.

(Fortſezung folgt.)

Theater.

Peſt h. Emilie Mäller. Der Frei⸗ ſchüz.) Am 31. v. M. erſchien Dem. Emilie Müller, vom Ofner Theater, in der Rolle der Pfefferröſſel als Gaſt. Die junge Schauſpielerin iſt, als eine Zierde unſerer nachbarlichen Bühne, einem großen Theil des Publikums keine fremde Erſcheinung, u. es fragte ſich nur, ob ihre Kräfte intenſiv ge nug ſind, um in dieſen ungleich geräu migern Hallen auszureichen. Wir be merkten mit Vergnügen, daß die lie benswürdige Künſtlerin, ſich auch auf dieſem Theater ſo bewegte, als wenn ſie daſelbſt längſt heimiſch wäre. Das Pfefferröſſel, eine Rolle von der Ver faſſerin eben ſo ſchroff und ſchwankend als unwahr gezeichnet, erhielt durch die Darſtellung der Dem. Müller Reiz und Leben. Sie war bald die ent- ſchloſſene, unternehmende, diplomatiſche Jungfrau, ohne jedoch ins Heroiſche und Pathetiſche überzugehen, bald das naive, herzliche, anſpruchloſe Mädchen, je nachdem es die Situation erforderte. Mehrere Szenen waren beſonders ge lungen und trugen das Gepräge durch⸗ dachter Auffaſſung an ſich. Das Publi⸗ kum nahm dieſe Leiſtung mit großem Wohlwollen auf, indem Dem. Müller immer lebhaft applaudirt und mehre⸗

remal gerufen wurde. Am Schluſſe dankte ſie in beſcheidenen Worten. Er- wähnen müſſen wir, daß das Banket im lezten Akt trefflich und würdig ei⸗ ner Hofbühne ausgeſtattet war. Die zweite Gaſtrolle der Dem. Müller war Polixena, in AlbinisKunſt u. Na⸗ tur. Dieſer Charakter hat ſchon et was beſſere Elemente als der vorige, obwohl er auch an Seichtheit und Re⸗ miniszenz leidet. Unſere Gaſtin prä ſentirte hier die Natur, und in der That, es lag Kunſt darin. Dieſe be hol fene Unbehilflichkeit, wie ſie ſich, als ſchlichtes einfältiges Landmädchen, in der Verkleidung einer höhern Da me benahm, entbehrte nichts an Wahr heit u. verrieth ein erfolgreiches Kunſt⸗ ſtudium. In allen Geſten und Situa⸗ tionen verleugnete ſich die Grazie nicht, über die Dem. Müller unbeſchränkt gebietet. Ein etwas ſchärferes Mar kiren und Nüanciren mancher kräftiger gehaltenen Stellen, würden dem Gan zen noch mehr Vorſchub geleiſtet ha ben; jedoch ſcheint die junge Schau⸗ ſpielerin jede Effekthaſcherei zu ver⸗ ſchmähen. Der Beifall konnte ihr auch an dieſem Abende nicht entgehen, das Publikum ſprach ihn wiederholt aus, u. man freut ſich auf die fernern Gaſt⸗ rollen dieſer von Natur u. Kunſt gleich begünſtigten Schauſpielerin. Herr