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ſeln; Ineſilka lag auf ihrem Vette und bie Mutter glaubte, ſie ſchlafe. Die Mutter wollte die Tochter nicht weken, ſondern ſie nur auf die Stirn küſſen, aber ihre Lippen berührten eine eiskalte Haut. An der Seite hatte das Mäd⸗ chen eine tiefe große Wunde und der herbeigerufene Arzt ſah, daß das Herz berausgenommen ſei.
In welcher Abſicht konnte dieſe ſchrekliche That gethan worden ſein? Wer war wohl der Mörder? Keine Spur verrieth ihn; man ſah nur, daß er ſich zu ſeiner Fahne begeben habe. Das Volk ſprach deſſenungeachtet gegen ihn aus. Ein Zeuge erklärte, Mofar ſei von Oſuna entflohen und gelaufen „wie ein Zigeunereſel, der Quekſilber in den Ohren hat.“ Man verfolgte demnach den Bezeichneten und ergriff ihn in Firiga, aber er leugnete hart⸗ näkig, Kenntniß von dem Morde Ineſilla's zu haben, ob man gleich in ſei— nem Torniſter ein Käſtchen mit einem in Salze liegenden menſchlichen Herzen fand. Dies wollte er auf der Straße gefunden baben; aber es half ihm nichts und er wurde troz ſeinem Leugnen zum Tode verurtheilt. Kurz vor der Hin⸗ richtung äußerte er den Wunſch, mit dem Alcade„Major zu ſprechen, dem er endlich das Verbrechen geſtand und die Ausführung auf folgende Weiſe erzählte:
„Ich weiß nicht, was mir meinen Verſtand ſtörte, aber ich war wle von Schwindel ergriffen und nie verließ mich der Gedanke, die Tochter der Dona Martha könne in meiner Abweſenhelt ihr Herz einem Andern geben. Endlich ging ich nach dem Landhauſe, um daſſelbe in Brand zu ſteken, und ſo die Mutter und die Leute dahin zu loken. Der Vorſaz war bald ausgeführt. Dann eilte ich in die Stadt zurük, überzeugte mich, daß Donna Ineſilla allein ſei und gelangte bald in das Haus. Wie ich über die Mauer kam weiß ich nicht. Ich hatte nicht die Abſicht, dem Mädchen etwas zu Leide zu thun. Blos zu meiner Vertheidigung hatte ich mich bewaffnet und dies war mein Unglük. Dona Ineſilla nannte mich einen Unverſchämten, aber ich bat ſie nochmals, mir ihr Herz zu ſchenken. Sie ſtieß mich mit Verachtung zurük. Da ſagte ich ihr, ich würde ihr Herz doch erhalten. Ich wollte ſie in meine Arme ſchließen; ſie ſchlug mich mit dem Fächer. Ich weiß nicht, wie es ge⸗ ſchah: ich zog den Dolch und ſtieß ihn ihr in die Seite... Warum er ihr das Herz herausgeriſſen, konnte er nicht angeben; er ſtotterte noch einige unzuſammenhängende Worte mit dem Röcheln eines Sterbenden, denn die Men⸗ ge, die zu dem Richtplaz geſtrömt war, rief ungeduldig nach dem Verbrecher. Man ſezte ihn verkehrt mit gefalteten Handen auf den Eſel und unter den Verwünſchungen der Menge fiel ſein Haupt.
Der alte Diener Byrons.
Die Leſer Vyrons werden ſich des William Fletcher erinnern, der den Dichter zwanzig Jahre lang als Diener begleitet, von Byron aber oft Freund genannt wurde. Nach dem Tode ſeines Herrn eröffnete Fletcher ein Geſchäft mit italieniſchen Waaren in London, ſcheint aber dabei kein Glük gehabt zu haben; denn im vorigen April befand er ſich im Schuldgefängniſſe. Für die Haupturſache ſeiner Zahlungsunfähigkeit ſah er die Einziehung einer Penſion von 450 Thalern an, die ihm bis dahin die Schweſter Byrons, Mi⸗


