Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
484
 
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484

Klaͤger(mit einem ſchreklichen Seufzer): Oh!

Präſident: So nennt doch wenigſtens die Anfangsbuchſtaben z das Ge⸗ richt wird alsdann ſchon die Worte finden.

Der Kläger ſchweigt.

Präſident: Aber, Mann, wie in aller Welt ſoll Euch bei einem ſolchen Benehmen die Behörde gerecht ſein?

Kläger(mit immer zunehmender Heftigkeit): O ja doch, verurtheilt den Schurken; oh!

Präſident: Nun ſo ſeid kein Narr und drükt Euch aus.

Kläger ſchweigt. 5

Präſident: Habt Ihr Zeugen, Freund, in Eurer Sache?

Kläger(mit Lebhaftigkeit): O nein, glüklicherweiſe nicht.

Bei dieſem Thatbeſtande ſieht ſich das Tribunal genöthigt, den Veklag⸗ ten als unbeſcholten zu entlaſſen und den Kläger zu Erſtattung der Koſten zu verurtheilen. Dies läßt ſich der Fabrikant der Eſelsmilch gefallen und ruft nur mit Emphaſe beim Herausgehen:Gutgut, die Sache wird mit mir ſterben.

Das geſtohlene Herz.

Seit etwa zwei Jahren wohnte Donna Martha Averedo, eine reiche Kauf⸗ mannswittwe, in Oſuna mit ihrer einzigen Tochter, Ineſilla, welche für das ſchönſte Mädchen im ganzen Königreiche Sevilla galt. Uebrigens hatte ſie nie ein Mann geſehen. Wenn ſie des Morgens fromm in die Kirche ging, bedekte die Mantille ihr ganzes Geſicht und ihre großen, in Spanien ſeltenen blauen Augen, die immer zur Erde blikten, ſahen nur die Stelle, wohin ihr Fuß trat. Wäre die Zeit der Serenaden noch, ſo würde man gewiß unter den Fen⸗ ſtern Ineſilla's ein fortwährendes Konzert gehört haben. Der eifrigſte ihrer Anbeter war Sancho Mofar, der Sohn eines Schneiders, der der Jungfrau gegenüber wohnte und einen großen Theil des Tages damit verbrachte, nach den Jalouſien hinüber zu bliken. Da er ſah, daß ſie keinen Vettler abwies 5 ſo verſuchte er es, als ſolcher Eintritt in ihr Haus zu erhalten, aber er wurde hart abgewieſen, ohne indeſſen den Muth zu verlieren. Die ſonderba⸗ ren Ausdrüke, in denen er ſeine Liebe über die Straße hinüber ſang, erreg⸗ ten einmal das Lachen Ineſilla's und dieſes Lächeln hielt er nun für ein Zei⸗ chen der Gunſt.

Unterdeſſen rief die Regierung einen großen Theil der jungen Männer zu den Waffen gegen die Carliſten, und auch Sancho mußte ſich unter die Fah⸗ nen ſtellen. Darüber wurbe er ganz troſtlos, nichr gerade weil er ſich vor dem Kriege fürchtete, ſondern weil er beſorgte, Ineſilla möge ihr Herz in ſeiner Abweſenheit einem andern Bewerber geben. Er ging in Gedanken verſunken umher und ſchien ſich mit einem großen Entſchluſſe zu tragen. Bald darauf hörte man, daß das Landhaus der Donng Martha in Flammen ſtehe; die Dame reiſete ſogleich mit allen ihren Leuten dahin ab und Ineſilla blieb allein in Oſuna zurük.

Als die Dame ſpät in der Nacht wieder kam, wunderte ſie ſich, daß ihre Tochter ihr nicht entgegen komme. Die Hausflur ſchien eucht vu