Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
483
 
Einzelbild herunterladen

483

Als Beweis meines guten Willens wollte ich ſogleich an dem Valle Theil nehmen, den die Nationalgarde der Herzogin von Orleans gab: aber wie hin⸗ gehen? Meine Uniform hatte ich verſchenkt. Es blieb mir nichts übrig, als mich in eine Art von Fantaſiekoſtüm zu werfen, das halb bürgerlich und halb militäriſch ausſah. Ich hatte die Genugthuung, das ich mehr Aufſehen erreg⸗ te, als bei meinem erſten Erſcheinen auf der Wache. Die Mannſchaft meiner Kompagnie erkannte mich kaum, der Korporal erwiderte meinen Gruß nicht und der Sergeant kehrte mir den Rüken zu, ich war ſo eingeſchüchtert, daß ich in einen Winkel ſchlich, um mich Aller Augen zu entziehen. Zum Unglük bin ich groß. Der Kronprinz ſah meinen Kopf über einige Voltigeurs her⸗ vorragen, kam auf mich zu und ſprach einige Minuten mit mir.

Dieſe Unterredung, während deren alle Blike auf mich gerichtet waren, gab mir den Reſt. Ich hatte die Grobheit begangen, mich nicht bei dem Prin⸗ zen nach dem Befinden ſeiner Familie zu erkundigen, mich nicht an den Knö⸗ pfen ſeines Rokes ſeſtzuhalten und ihm nicht beim Fortgehen die Hand zu drüken. Man ſchrie, ich ſei ein unartiger Geſell, ein Republikaner, und Tags darauf erhielt ich folgenden Brief von meinem Sergeanten:

Mein Herr!

Aus dem Koſtüm, in welchem Sie geſtern erſchienen ſind, ſo wie aus Ihrem ganzen Benehmen geht deutlich hervor, daß Ihr Weſen und Ihre Ge⸗ ſinnungen nicht zu denen Ihrer Mitbürger paſſen. Mit Bedauern muß ich Ihnen daher anzeigen, daß Sie nicht mehr zur Kompagnie gehören, die nur aus Männern beſteht, welche der öffentlichen Ordnung ergeben ſind und ſich in Geſellſchaft zu benehmen wiſſen. Ich habe die Ehre u. ſ. w.

. Chopin, Sergeant.

Und ſo bin ich Unglüklicher aus der Nationargarde geſtrichen.

(Weſtl. Bl.)

Parifer Geichts eme.

Einen ſpaßhaftern RNechtsfall als den nachſtehenden, kann es unmöglich geben. Moulinot, Fabrikant von Eſelsmilch, wie er ſich nennt, ſteht ſchon ſeit fünf Minuten vor Gericht, ohne daß die Behörde mehr aus ihm herausbringt, als ſeinen Namen und das eben genaunte Handwerk. Deſſenungeachtet erſcheint er als Kläger in einer Injurienſache:

Präſident: Ihr behauptet Euch alſo von dem de. Godefroid ſchwer beleidigt?

Kläger(ſtößt einen unermeßlichen Seufzer, aus): Ja wohl, ja, ja, ja.

Präſident: Worin beſteht dieſe Beleidigung?

Der Kläger gibt keine Antwort. 5 g

Präſident: Wollt Ihr die Veleidigung nicht angeben?

Kläger: Oh, nein, nein, nein, nein!

Präſident: Dies wird aber nöthig ſein, wenn das Gericht ſie ahn den ſoll.

Kläger(mit einem zweiten Seufzer): Oh, nein, nein, nein!

Präſident: Die Beleidigungen ſind alſo wohl von der Art, daß mau ſie nicht gusſprechen kann?