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Draxler, als Bertram, Hr. Watzinger in einer Konzert⸗Arie de. total durch; ja ſelbſt die ſo viel geprieſene Lutzer woll— te als Norma nicht ſo recht anſprechen und gegen Wild und Staudigl(als Sever und Oroviſt) bildete ſich eine Oppoſition. Woher mag das kommen? Daher, weil man noch an die erſt kürz⸗ lich abgegangene italien. Oper denkt, und weil auch eine mittelmäßige ita— lieniſche Oper höhere Kräfte in ſich birgt, als deren ſelbſt die Koryphäen des deutſchen Geſanges(incluſive der Lu— tzers, Löwes, Schröder-Devrients oc.) befähigt ſind.(Mad. Mink iſt ſo eben nach Iſchl abgereiſt.) A.
Mignon ⸗Zeitung.
Feuiletton aus Wien. IV. Sonntag, den 16. Juli und den darauf folgenden Montag, wurde hier, troz des zweideutigen, unwirſchen Wet— ters, das bekannte„Brigitten⸗ feſt“ gefeiert. Wer kennt nicht die— ſes Sansſouci, dieſes Eldorado, die— ſen alljährlich wiederkehrenden„Som— mernachtstraum“ der Wiener? Hier und nirgends anders ſpricht ſich in hel— leren Tinten, der echte, unverfälſchte National-Charakter des Oeſterreichers aus, hier, wo Tauſende von Menſchen in bunten Gruppen ſich verſammeln, um ohne Zank und Hader, in warmer Eintracht, einzig und allein einen Tag der Freude und dem Genuſſe zu weihen! Das Gewirre u. Gewoge der ſich, auf einer ausgedehnten, waldbe— kränzten Grasflur herumtreibenden Menge, inmitten der unzähligen, zwi⸗ ſchen Bäumen errichteten Tanzboden, Marionetten-Vühnen, Kreuzertheatern, Affenkomödien, ruſſiſchen Schaukeln, Ringelſpielen und ſonſtigen Volksbe⸗ luſtigungen.— Dies Alles gewährt wahrlich einen Anblik, der in Europa ſeines Gleichen ſucht(2). Doch, wer
nicht Nachts von der Eſtrade des Czer⸗ mack'ſchen Koloſſeum's herab auf die⸗ ſes buntbewegte Kalaldoſkophitd ſah, wenn Tauſende von hellleuchtenden Lampen der aufs Bizarrſte illuminir⸗ ten Schankbuden u. Tanzlokale rings⸗ umher einen magiſchen Schein verbrei— ten, ſo daß man ein morgenländiſch Bild der Tauſend und einer Nacht ver⸗ wirklicht zu erbliken glaubt— ja, wer dies nicht ſah, der kann ſich keinen Begriff von dieſer wunderlich-⸗ ſchönen Anſchauung machen. Wer nur einmal dies Feſt beſucht, dem ertönt in der Seele unwillkürlich der ewige Refrain:
„S' gibt nur a Kaiſerſtadt,
S' gibt nur a Wien!“ f Das Czermack'ſche Koloſſeum, die Ve— linduodez-Ausgabe dieſes Volksfeſtes, erſt ſeit einigen Jahren errichtet, iſt an und für ſich ſchon ein„Panorama des Univerſum's“, ein„Alle Minuten was Anderes“ ein buntſchäkig Moſaik— gemälde der ausgeſuchteſten Sinnen— reize. Jede Viertelſtunde erdröhnen daſelbſt Pöllerſchüſſe, welche die Beſu⸗ chenden zu einem neuen, unterhalten— den Spektakel herbeirufen. Jongleur's, komiſche Turniere, Sakläufer, Mai⸗ baumkletterer, äroſtatiſche Figuren und Luftballons, brillantes Feuerwerk und die von allen Seiten erſchallenden Mu— ſikchöre— dies wechſelt ſo ſchnell, ſo oft, daß man ordentlich von Genüſſen erdrükt wird.— Mit Bedauern ver⸗ nimmt man, daß der Freiherr v. Sina den ganzen Terrain der Brigittenau(zum Behuſe eines anzulegenden Douauha— fens) an ſich gekauft habe u. demnach dies Feſt von 1837 das lezte geweſen ſein ſoll.— Das erſte Debut der hoch— gefeierten Delles. Thereſe und Fanny Elsler, erſten Tänzerinen der großen Oper zu Paris, war Dienſtag, am 18. Juli. Mit herzlichſtem, allgemei⸗ nem Willkommens rufe wurden die lang⸗ entbehrten, liebenswürdigen Wieneri⸗
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