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ein, alſo jährlich 10,806 oder täglich 29 Stük; da er aber geringer anfing und ſpäter mehr nahm, ſo kamen in den lezten fünf Jahren auf jeden Tag im Durchſchnitt 78 Pillen, und im Jahre 1814 verſchlukte er 51,590 Stük. Troz dieſen Pillen und 40,000 Flaſchen Arznei, deren Verzeichniß in dem Buche des Apothekers 55 enggeſchriebene Seiten füllt, wurde der Mann doch
fünfundſechzig Jahre alt.
Theater.
Peſth(Die Ballnacht). Am 25. d. M. erſchien Demoiſ. Henriette Carl als Gräfin Amalia in Aubers „Vallnacht“ zur dritten Gaſtrolle. Das Haus war bis zum Erdrüken voll, ſo groß iſt die Theilnahme, deren ſich die hochgeſchäzte Künſtlerin erfreut. Sie führte auch ihren Part mit vollendeter Meiſterſchaft durch; und wenn dieſer auch keine Gelegenheit bietet, in So— loparthien zu glänzen, ſo war ihr Verdienſt um ſo größer, da ſie in den Enſembles, u. vorzüglich in dem Ter⸗ zette des zweiten und in dem Duette des dritten Aktes ſo ſiegreich hervor— trat. Die eingelegte Arie von Paccini trug ſie in grandioſem Style vor. So große Schwierigkeiten dieſe Kompoſi— tion auch enthält, ſo war es ihrer na⸗ türlichen Fähigkeit und ihrer künſtle⸗ riſchen Ausbildung nur ein Leichtes, ſie zu beſiegen. Die Wirkung war groß, und der Beifall ganz darnach. Dem. Carl ward an dieſem Abend mehrere— mal gerufen.— Mad. Pohl-Beiſteiner (Page), Hr. Beer(Herzog Olaf) und Hr. Oberhoffer(Reuterholm) leiſteten ſchon Bekanntes. Lezterer wurde wie⸗ derholt gerufen. Die Arrangirrng des Divertiſſements war etwas matt und batte nicht denjenigen Eklat, wie wir ihn unter unſer jezigen, ſonſt ſo ſplen⸗ diden Direktion, gewohnt ſind. Das Pasdedeux zwiſchen den Delles. Wir⸗
Ansichten. Urtheile. Begebnisse.
diſch u. Ochſinger war jedoch ſehr an— ſprechend; es mußte wiederholt werden. Warum man ſich von dem Gedanken, am ſchwediſchen Hofe einen unga— gariſchen Nationaltanz ausführen zu laſſen, nicht trennen kann, bleibt un- erklärlich. Der Tanz ging auch ſpur— los vorüber. Hag. Ofen.(Hr. Wothe.) Unſer aus⸗ gezeichnete Gaſt, Hr. Hofſchauſpieler Wothe, ergözte wieder am 25. d. M. unſer Publikum in zwei kleinen Stü⸗ ken. In dem allerliebſten Luſtſpiele der Fr. v. Weiſſenthurn:„des Ma⸗ lers Meiſterſtük“ gab er den Girola— mo u. in Kotzebues„gefährlichen Nach- barſchaft!“ den Schneider Fipps. In beiden Rollen war er unerſchöpflich an Jovialität und natürlichem Humor. Dieſe Scherze, die nicht aus dem Bo— den der Trivial ität emporſchießen, wir— ken um ſo wohlthuender u. erheitern— der auf Gemüth und Zwerchfell. Der Künſtler ward mit dem verdienteſten Beifall und Hervorrufen belohnt.— Im erſtern Luſtſpiele war auch Herr Thomé, als Maler Waldauer, ſehr ver⸗ dienſtlich. Auch Dem. Doppler berech—⸗ tigt zu ſchönen Erwartungen. P. Wien. Bei unſerer deutſchen Oper im Kärnthnerthortheater ſind die Durch⸗ fälle jezt gang u. gäbe. So fiel Mad. Mink, als Norma und Alice, Mad. Heinefetter-Stökel, als Gräfin Reu⸗ terholm, Hr. Tichatſchek, als Robert der Teufel und Herzog Olaf, Herr


