Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
479
 
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nen begrüßt. Sie tanzten in dem be⸗ kannten BalleteSylphide ein Pas dedeux, wobei man in der That nicht wußte, ob man mehr die Grazie und Leichtigkeit, oder die vollendete Kunſt und lebendige Mimik bewundern ſollte. Delle. Fanny Elsler gab zugleich die Titelrolle, und war als Sylphide eine Sylphide im ganzen Umfange des Wortes. Dieſe ätheriſche Luftgeſtalt, dieſes zephyrgleiche Dahinſchweben, dies verführeriſche Mienenſpiel mit dem allmächtigen Zauber, dem kein Sterblicher zu widerſtehen im Stan- de o! gewiß, es iſt den Franzoſen nicht zu verargen, wenn ſie bei ſol chem Tanze in unbeſchreiblichen En thuſtasmus, ja in eine Art von Ver⸗ zükung geriethen(und dennoch wird ſie in Paris von der Taglioni noch überflügelt!). Vor dem Vallete ſpielte ein Hr. Sainton ein Konzertſtük auf der Violine. Nichts Beſonderes wir ha ben ſchon größere Künſtler auf dieſem Inſtrumente gehört; er nennt ſich ei⸗ nen Zögling des Pariſer Konſervato riums und das mit Recht. Delle. Mayr ſang recht artig das Proch'ſche Lebewohl. Am folgenden Tage fand die Wiederholung des Balletes Statt. Vor demſelbeu genoßen wir den herrlichſten Ohrenſchmaus: Delle. Lutzer(Trilleriſtin genannt), unſere deut ſche Prima Donna, die, wie ein primo dono des huldreichen Himmels, unſer Gemüth ſtets mit Wonne füllt, ſie, die Allbeliebte, ſang zwei italieniſche Arien, deren Kompo ſition zwar eine bodenloſe Flachheit barg, mit jener Virtuoſität, mit je ner Kehlenfertigkeit, die uns leicht eine Tacchinardi vergeſſen macht(2. Hr. Pariſh Alvars, der berühmte Harfen ſpieler, trug eine Fantaſie eigener Kompoſition vor u. erhöhte den Hoch genuß dieſes Abends. Künftige Wo⸗ che kommt Auber'sBallnacht zur

Aufführung. Die Delles. Elsler und Lutzer und die H. H. Wild und Stau digl werden darin mitwirken. Das wird eine Vorſtellung, wie ſie Wien nicht täglich ſieht; ich ſchwimme in Selig⸗ keit wenn ich nur daran denke. Das Witterungs halber aufgeſchobene Mu ſikfeſt des Kapellmeiſters Joh. Strauß: Eine Nacht in Venedig betitelt, wird Mittwoch, den 26. Juli, abgehalten. Ich ſehe mich ſchon als Herkules am Scheidewege, oder wie Robert zwiſchen dem tanzenden u. dem tanzbewegenden Prinzip zwiſchen Elsler u. Strauß, ſchwankend. Und ſollte dieſer 26. Juli, ein Werner'ſcher24. Februar für meine Geldbörſe werden ich muß ſie beide ſehen! Hr. Hausmann, die ſer Proteus der feinen Komik, verſöhn te mich wieder gänzlich mit der Leo poldſtädter Bühne. Ich ſah ihn, in kurzen Zwiſchenräumen, drei verſchie dene Nollen mit klaſſiſcher Meiſter ſchaͤſt(oho!) durchführen. Er gab den Ambroſt, in Angely's:Von Sieben die Häßlichſte, den Souffleur Flü⸗ ſterleis in Theodor Hell'sBVeneſize⸗ Vorſtellung, und wirkte inBär und Baſſa mit. Jede dieſer Rollen war mit ſolch feiner Nuancirung erfaßt u. mit den ihm eigenthümlichen, Lachluſt erregenden Geſtikulationen begleitet, daß ungetheilter, wohlverdienter Vei fall, das Streben des zum Lieblinge des Publikums gewordenen Künſtlers lohnte. Alambre. Stuttgart. Spindler's neue⸗ ſter Roman:König von Zion wird als ſo matt u. trivial dargeſtellt, daß alle Leſer durch eine Kritik imPhö niz davor gewarnt werden. Man ſoll kaum begreifen können, daß dieſer Ro man von dem Spindler iſt, deſſen Na me nicht nur bekannt, ſondern auch berühmt iſt. F. Buntes aus London. Die

junge Königin Viktoria ſollte neulich