Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
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giſa im erſten Akt war von grandjoſer

Wirkung und jenes im zweiten Akt

erregte durch Kraft, Feuer u. Grazie die

höchſte Begeiſterung des Auditoriums.

Die Wiederholung dieſes Duetts wurde

ſtürmiſch verlangt; die Künſtlerin ge⸗

währte ohne ſichtbare Anſtrengung und das dankbare Publikum rief ſie dann zweimal hervor. Das Finale war er greifend und herzerhebend. Die Auf nahme der Künſtlerin war die ehren vollſte. Außer nach den Szenen ward ſie nach dem erſten Akte u. am Schuſſe zweimal gerufen, und man dankt es unſerer ſo wohlmeinenden und bereit willigen Direktion, die kein Opfer ſcheute, um uns dieſen Genuß zu ge währen. Gedichte verſchiedener Art flogen von den Gallerien auf's Par- terre, und wir führen die Schlußſtro phen von einem derſelben, weil es den

Namen Antonio Bindocci(das italie

niſche Original iſt von dieſem berühmten

Improoiſator) zur Firma hat, hier an: Ja dieſe Königin von Babylon,

und Ines, Desdemona u. Roſina,

Amenaide, Anna und Amin a Erwarben Lorbeern Dir als Sanges Lohn. Vom Tajo bis zur eiſ'gen Newa hin

Ertönt der Siegesruf, den Du errungen;

Doch Hohes auch iſt Deiner Kunſt gelungen, Als Norma, die geweih'te Prieſterin. Du lie beſt und wer ſchildert dieſe Gluth,

Die Töne athmen minnevolles Sehnen;

Du haſſeſt u. Dein Zürnen gibt uns Thränen, Du kämpfeſt mit des Schikſals herber Wuth; Doch Du entſagſt mit edlem ſtolzem Sinn,

Die Rührung wächſt bei Deinen ſtiller Klagen:

Gewiß, im Lieben, Haſſen und Entſagen Biſt Du der Töne hohe Meiſterin!

Es gebietet uns auch die Pflicht, von den Mitwirkenden zu ſprechen und wir erwähnen Dem. Rauch(Adalgiſa), die H. H. Stoll(Sever) und Rözer(Oro

viſt), die neben der Dem. Carl alle

ihre Kräfte aufboten, um mit Erfolg ihre Parten auszufüllen. Sie erhielten für ihr lobenswert hes Streben den leb⸗

hafteſten Beifall und wurden oft mit der Künſtlerin gerufen. Hag.

Mignon Zeitung.

Feuiletton aus Wien. III. Die lieben Wiener gefallen ſich jezt in Extremen. So wie ihr Hangen und Verlangen nach demLande geht, und alles Erdenkliche aufgeboten wird, um nur eine Landparthie mit Glanz ma chen zu können, ſo ziehen wieder ganze Prozeſſionen demWaſſer zu, um dem modernen Vries ni zismus zu huldigen, ſo daß es der lieben Donau ordentlich heiß wird, bei dieſen zahl⸗ loſen Viſiten. Dieſe Mode laſſe ich mir noch gerne gefallen, es iſt doch, was ſelten der Fall, keine Modethorheit. Es iſt eine Mode, eine Luſt, voll heil bringenden Erfolges. Mit welcher Zu verſicht kann man jezt ruhig und ge troſt die Straßen und Gaſſen durch wandeln, ohne einem ungewaſche nen Menſchen zu begegnen. Am 11. d. M. beſuchte ich ein Ballfeſt im ſo genannten Fürſtenhofe. Wenn auch das kleinliche Arrangement des allzuſehr

beengten Lokales meinen gehegten Er

wartungen nicht entſprach, ſo war es das lebendige Gewoge der tanzenden Menge und noch mehr die gemüthli chen Tanzweiſen des Muſikdirektors Hrn. Karl Vendl, welche mir hinläng liche Unterhaltung gewährten. Die neueſten Walzer,Immortellen, die ſes talentvollen, anſpruchsloſen Man nes ſind eine liebliche Kompoſition und dürfen keinen Vergleich mit den beſten Werken unſerer beiden Walzer heroen ſcheuen. Was in jenem Lokale noch mehr zu loben:höfliche Kellner und gute Küche! Ein Hochgenuß erwartet uns: Die Delles. Fanny und Thereſe Elsler, dieſe tanzenden En gel, ſind aus Paris hier angekommen und werden mehrere Gaſtvorſtellungen