Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
462
 
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geben. Die deutſche Oper hat ibr Unrecht, uns italieniſche dünne Saucen, für deutſche, kräftige Brü hen zu reichen, wohlweislich eingeſe hen und bot uns d'rum ſchnell am 12. Juli das klaſſiſch-deutſcheNachtlager von Granada. Unter der feurigen Lei tung des Kompoſiteurs, geſungen von den Geſangsvirtuoſen, Delle. Lutzer und die H. H. Wild und Schober, un terſtüzt von dem unübertrefflichen Chor perſonale bedarf es da noch Wor te, um dieſe intereſſante Vorſtellung zu ſchildern? Das Leopoldſtädter Thea ter gefällt ſich jezt in franzöſiſchen Rühr⸗ ſtührſtüken, dieſen Riſetto's, aus folgenden Ingredienzien beſtehend: Einige Meſſerſpizen Natur, Eine Maaß weiches Geſprächs Waſſer, Ein endloſer Jammer oder eine große Armuth. Dies Alles wohl unter einander ge rührt, zu einem Stüke geknetet und abgerundet und das Drama-Riſetto iſt fertig. Anſtatt des Varmeſans oben darauf, wieder ein Kriminalverbrechen, gleich harten Eiern auf Kopfſalat, ge nommen. Nun, mit ſolch ſchwerzuver dauenden, fremdartigen Koſt traktirt uns, nur allzuoft, jene Bühne, ſtatt uns die kernigen vaterländiſchen Set a berl⸗Schnizel und Wurzel-Bak⸗ händel mit humoriſtiſchen Spekkraut aufzutiſchen. Das allgemeine Kran kenhaus, ſonſt kein ſchiklicher Plaz zu aventures amoureuses, brachtr lezthin einen höchſt tragiſchen Liebes handel: Ein Wärter und eine Wärterin pfleg ten beide ſchon durch längere Zeit der zärtlichſten Liebe, als die Wärterin insgeheim eine reichere Liaiſon mit ei nem Bereiter anknüpfte, und dem Wär ter ihrer erſten Liebe eine zarte Naſe drehte. Dieſer nun mit zweien Naſen den Braten um ſo eher riechend, ſann auf eine eklatante beißende Rache,

und in dem Momente, wo er ſich von der Nichtsahnenden den Scheidekuß erbat bis er der Armen die Na ſeglatt weg. Der Unmenſch wird ſeine verdiente Strafe empfangen, die arme Naſenloſe aber iſt unter den Hän den der Aerzte, die noch im Streite ſind, ob ſie ihr allopatiſch oder homöo pathiſcheine neue Naſe and re hen ſollen. Stets wachſende, warme Theilnahme findet die würdig und umſichtsvoll redigirte Geſundheits zeitung des Herrn Dr. H. Beer, wel che ſchon viele leſenswerthe Aufſäze aus dem Bereiche der Diätetik und phyſi ſchen Pädagogik geliefert. Beſonders ſind es die pikanten Miszellen, die durch Kürze u. intereſſanten Stoff ſich auszeichnen. Geſtern, am 15. Juli, wurde die Joſephſtädter Bühne mit dem alten, lamentablen Machwerke:Die Näuber auf dem Kulmerberge, bis zu ſeiner Wiedereröffnung im Septem ber d. J., geſchloſſen. Geſpielt wur de das Stük ſo trefflich, als ſein in⸗ nerer Werth iſt dies ſagt genug. In den Zwiſchenakten produzirte Herr Fahrbach mit ſeinem braven Orcheſter die beliebteſten ſeiner Kompoſitionen,

worunter beſonders das Quodlibetver⸗

miſchte Nachrichten durch bizarr-ko miſche Aneinanderreihung alter und neuer, ernſter und heiterer Themen, allgemeinen Anklang fand. Alambre. Buntes aus London. Das Gerücht, daß die königliche Akademie die ungedrukten Manuſkripte Newtons angekauft habe, iſt ungegründet. Nur ſo viel iſt wahr, daß Sir D. Brew⸗ ſter mit der Abfaſſung eines großen Werkes über das Leben,-die Schriften und die Entdekungen dieſes großen Mannes beſchäftigt iſt, und die Fa⸗ milie des Lords Portsmouth ihm zu dieſem Behufe jene Manuſkripte zur Verfügung geſtellt hat. Am 6. Juli