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In demſelben Augenblik entſtel dem Fremden elne kleine Chatoulle, aus der eine Anzahl falſcher Zähne herauskugelte.
Himmel! rief der Baron, nun weiß ich, wer Sie
mein Herr, ich habe Sie verkannt.
Der Zahnarzt klaubte die zerſtreuten Zähne auf,
Chatoulle, und ging ſeiner Wege.
ſind. Verzeihen Sie,
legte ſie in ſeine
Der Baron war beſchämt, die Gräfin untröſtlich, daß ihr vor vier Ta⸗ gen ein Vorderzahn ausgefallen war, an deſſen Stelle der Arzt ihr einen neuen eingeſezt hat. Seit jenem Tage lächelt ſie nicht mehr; denn ſie fürch⸗ tet, Jeder müſſe dem Zahn anſehen, daß er falſch iſt.
Ansichten. Urtheile. Begebnisse.
faſſung den herrlichſten Eklat. Wenn ſie gleich beim erſten Erſcheinen eine ſcheue Verlegenheit an den Tag zu le⸗ gen ſchien, ſo ſchwand dieſe doch zu—
Theater.
Peſt h.(Henriette Carl als Nor— ma.) Am 19. d. M. eröffnete Demoiſ. Henriette Carl, kön. ſpaniſche Hofſängerin, als Norma ihre Gaſtrol— len. Ungeachtet, daß dieſes Tonwerk Bellinis hier ſo oft, faſt bis zum Ue⸗
berdruß wiederholt wurde, ſo füllte ſich
diesmal bedeutend das Haus und größ⸗ tentheils von dem faſhionabelſten Thei— le des Publikums, ſo viel verſprach man ſich von dieſer, hier zwar nicht unbe— kannten, aber ſeit mehr als einem Jahr entbehrten Leiſtung und ſo groß die Erwartungen ſich auch ſtellten, ſo wurde ihnen in allen Theilen entſpro— chen. Dem. Carl hat ſeit ihrer Abwe— ſenheit auch im dramatiſchen Geſange an Intenſität gewonnen. Ihre Norma iſt ein vollkommenes Ganzes, die ein- zelnen Theile hängen wie eine Kette zuſammen und kein Glied derſelben hätte ohne das Andere eine Haltbar— keit. Nur wer ſo liebt, kann ſo haſ— ſen, ſo zürnen und ſo ſich opfern, und wie ſcharf die Leidenſchaften auch aus— geprägt ſind, verläugnet ſich die edle Weiblichkeit in keinem Momente. Der großartige Geſang dieſer gefeierten Künſtlerin verlieh dieſer glüklichen Auf—
ſehends. Die Kraft und der Ausdruk nahm crescende zu und noch vor Beendi— gung der Introduktion war ſie Mei—
ſterin ihrer herrlichen Mittel. Der ſel—
tene Umfang, der liebliche Wohllaut, die kühnen Paſſagen und die Flexibi⸗ lität ihrer Stimme traten glänzend hervor und die Kavatine trug ſie mit ſolcher Fülle von Liebreiz, mit einem ſolchen Aufwand der geſchmakvollſten Verzierungen vor, daß ſie unwiderſtehlich zu dem rauſchendſten Beifalle hinriß. Noch nie machte dieſe Kavatine hier gleiche Wirkung. Sie mußte ſie wie— derholen und ward darauf noch zwei— mal hervorgerufen. Faſt in gleichem Maße gings dann in der ganzen Par— thie fort. Die reine Intonation der Künſtlerin, das eminente Mezzavoce hoben viele Stellen hervor, die uns früher beinahe ganz unbeachtet blieben, namentlich ging uns bei den Recita— tiven auch nicht ein Wort verloren u. die Innigkeit und das Gefühl des Vor⸗ trages brachten die höchſte Rührung hervor. Impoſant wirkte ſie in den Enſembleſtüken, denen ſie Seele u. Ve— deutung verleiht. Das Duett mit Adal⸗


