Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
459
 
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Ich werde den Schurken zur Verantwortung zieben.

Nicht mehr als billig.

Und damit ich ihn ja nicht verſäume, will ich in der Vortierloge auf der Lauer liegen, und ſobald ich das Ungeheuer herannahen ſehe, aus meinem Verſtek hervorſpringen, ihn bei der Bruſt paken, und ihn fragen: Herr, wer ſind Sie?

Herrlich! herrlich! rief das Kammerzöſchen, das frohlokend in die Hän⸗ de ſchlug.

Ich gehe jezt auf meinen Poſten, und verlaſſe ihn nicht eher, bis ich den Verräther attrapirt habe.

F.

Baron Almar hielt wirklich Wort. Aus dem Vorſaale verfügte er ſich in die Portierloge, und ſpielte, um die Langeweile zu verſcheuchen, mit der ehrſamen Ehehälfte des Thürhüters ein Paar Parthien Puff. Er ſaß auf Steknadeln; ſeine Ungeduld hatte den höchſten Gipfel erreicht; und noch war kein Fremder, der ihm aufgefallen, an dem Portierpoſten vorbeipaſſirt.

Er hatte eine neue Parthie angefangen, als das Kammermädchen herbei geeilt kam, um ihm in's Ohr zu raunen, daß der Verräther durch die Hin⸗ terpforte in's Haus geſchlichen und jezt bei der Gräfin ſei.

Sogleich will ich zu ihr, um vor ihren Augen den Verräther zu beſtrafen.

Die Gräfin hat ſich mit ihm eingeſchloſſen.

Kann ich nicht in's Nebenzimmer gelangen?

O ja. a

Wozu gibt's Schlüſſellöcher in der Welt 21 Komm, komm!

Die Zofe und der Baron ſchlichen auf den Zehen zur Thür heran, die in's Boudoir der Gräfin führt.

Almar legte Auge und Ohr an's Schlüſſelloch; aber umſonſt. Er ſah und hörte nichts; im Zimmer herrſchte das tiefſte, geheimnißvollſte Schwei gen. Plözlich vernahmen die Horcher das Läuten einer Handgloke.

Die Gräfin ruft! Ziehen Sie ſich in's Vorzimmer zurük, flüſterte die Zofe, und ſchob den Varon in's andere Zimmer. Dann klopfte ſie an die Thür des Voudoirs, und fragte: was befehlen die gnädige Frau?

Iſt Niemand im Vorzimmer? fragte die Gräfin.

Niemand, antwortete die Zofe.

Die Gräfin, etwas echauffirt, öffnete die Thür. Der fremde Mann ent⸗ fernte ſich.

Er hatte kaum die Schwelle des Vorzimmers überſchritten, als Baron Almar, der ihm den Weg vertrat, mit wahrer Stentorſtimme die Frage her ausdonnerte:

Herr, wer ſind Sie?

Dieſelbe Frage richte ich an Sie.

Ich bin Baron Almar, der Bräutigam der Gräfin Chaſaneff; und als ſolcher ſteht mir das Recht zu, Sie zu fragen, was Sie bei meiner Braut zu ſuchen haben?

Fragen Sie Ihre Braut....; ich kann's, ich will's nicht ſagen.

Sie müſſen's mir ſagen! rief der Baron, den die Wuth dergeſtalt über mannte, daß er den Fremden, beim Kragen pakend, erwürgen wollte.