458 Feſt wurzelt die Flücht'ge, raſch bliket ſich um, Der Sumpf und das Rohr nur, ſonſt nichts ringsum, Dahin der Verfolger mit Panzer und Helm, Kein Weib mehr erbangt vor dem argen Schelm.
Wohl ſinkt da inmitten dem öden Land
Das Weib auf die Knie, dort wo ſie ſtand;
Denn jezt erſt erkennt ſie, und ſchluchzt gerührt, Daß huldvoll ein Engel ſie hat geführt.
Ein Geheimniß. (Beſchluß.) 4.
Am andern Morgen(es war noch ganz früh) kam er wieder und blieb abermals eine halbe Stunde. a
Drei Stunden ſpäter ließ fich Baron Almar bei der Gräfin anmelden. Sie ließ wiederum abweiſen.
Das iſt ſtark, ſprach der Baron, ganz verduzt. Wie erklären wir uns das Betragen? Haſt du nichts, gar nichts erfahren, was du mir mitzuthei⸗ len haſt?
Ich glaube, auf der Spur zu ſein. Geſtern Morgen, gleich nachdem Sie hier geweſen, mußte unſer Mohr einen Brief forttragen.
Einen Brief? und an wen? a
Ja, das wollte er mir, troz aller Bitten und Schmeicheleien, die lch an ihn vergeudet habe, nicht ſagen. Der ſchwarze Teufel ließe ſich eher die Hand abſchlagen, als ſich bewegen, das Geheimniß der gnädigen Frau einem Dritten zu verrathen. Aber hören Sie nur: geſtern, gegen Abend, ließ ſich bet uns ein Mann anmelden.
Ein Mann? Was für ein Mann?
Ein Notar, Herr Varon.
Ein Notar?— Was hat der bei meiner Braut zu ſuchen?
Das weiß ich nicht.
Wie lange blieb er bei ihr?
O, wohl ein Stündchen! Um ganz ungeſtört zu ſein, batte die Frau Gräfin, aus Vorſicht, die Thüre verriegelt.
Ich werde raſend!
Sie haben Grund dazu. Heute Morgen ſtattete er der gnädigen Frau ſeinen zweiten Beſuch ab, verweilte noch länger als das erſte Mal und...
Na, und
Verſprach bald wieder zu kommen.
Durch wen haſt du das erfahren?
Durch ihn ſelbſt. Beim Weggehen kneifte er meine Wangen, und ſagte: Auf Wiederſehen, mein ſchönes Kind. Sie kommen doch bald wieder? fragte ich, um ihm auf den Zahn zu fühlen. Der Tropf merkte nicht meine Abſicht und antwortete ganz gutmüthig: In zwei Stunden komme ich wieder.
Ich werde ihm aufpaſſen.— Natürlich!


