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Es iſt ein wohlhabender Mann von etwa 40 Jahren, der jeden Tag auf den Spazirgängen, wo die Königin ſich zeigte, ihr nachging, ſie ehrerbie— tig grüßte, aber niemals ſie anſprach— In der Kapelle des Kenſington-Palla— ſtes fand er ſich jeden Sonntag ein, und nahm ſeinen Plaz ſo, daß er die Königin ſehen konnte. Da die Prin— zeſſin öfter durch den Park fuhr, ſo ſchaffte er ſich gleiche Equipage und Livre wie die Herzogin von Kent an; er nannte die Königin„ſeine Prinzeſ— ſin““, und zeigte der Polizei, die ihn beaufſichtigt einen wahrſcheinlich von einem Wizbold geſchriebenen Brief vor, worin Viktoria ihn ihrer Liebe ver— ſichert, und bittet, ſeine Antwort un— ter einen Baum zu legen. An ihrem Geburtsfeſte beleuchtete er ſeine Woh— nung, und theilte den ganzen Tag an alle Vorübergehenden Ale aus, wodurch die Leute ſo betrunken wurden, daß die Polizei einſchreiten mußte. M. Stuttgart. Im Würtember⸗ giſchen iſt wieder eine neue Geiſter— ſeherin aufgetreten, nämlich die Sara. Gayer zu Großglattbach, bei deren Ge— ſchichte ein ſchwärmeriſcher, aber ſonſt gutmüthiger und wohlgeſinnter Kam— meralverwalter eine ſeltſame Rolle ſpielt. Von Stuttgarter Gelehrten, welche an Ort und Stelle ſelbſt For— ſchungen anſtellten, haben drei für Dummheit und Betrug, der Vierte jedoch mehr für Selbſttäuſchung und räthſelhafte Wirkungen des Somnam⸗ bulismus ſich ausgeſprochen.— Es iſt Schade, daß ſich die Geiſter immer bei Leuten einfinden, die keinen Gebrauch davon machen können, während ſo man— cher Geiſtloſe, den ſeine Stellung des
Geiſtes bedürftig macht, immer derge⸗ bens auf das Nahen des Geiſtes wartet.
Genf. Die Elephantin Miß Dieck iſt am 27. Juni, nachdem ſie ganz un⸗ bezähmbar geworden war, wirklich ge— tödtet worden. Anfangs ſchoß man mit Flintenkugeln auf ſie; da dieſe aber unwirkſam blieben, gab man ihr durch eine Kanonenkugel den Reſt..
Lokal⸗Zeitung.
Muſik. Am 15. d. M. gab der rühm⸗ lich bekannte Virtuoſe auf der Guitarre, Hr. Eduard Pique aus Prag, vor einem ziemlich zahlreichen Auditorium, ein zweites Konzert im Redoutenſaale. Er ſpielte Variationen über ein öſterr. Nationalthema v. Auſterlitz, dann Variationen über ein Thema aus Nor— ma eigener Kompoſition und endlich die Gui— tarre-Parthie in der Romanze:„der Abſchled der Troubadours.“ Er bewährte ſich abermals als volltommener Meiſter ſeines Inſtrumen— tes, dem er alle Geheimniſſe abgelauſcht hatte und ihm die wirkungsvollſten Akkorde zu ent loken verſteht. Hinderniſſe gibt es für ihn keine mehr und die ſchwerſten Griffe tragen das Gepräge der Fülle, des Ausdrukes u. der Zartheit an ſich. Auch in der Kompoſition bewährte der junge Künſtler ein ſchöpferiſches Talent, und er dürfte hierin bald einen Ruf erlangen.— Er erhielt rauſchenden Beifall und ward wiederholt gerufen.— Neben— bei hörten wir Hrn. Kalis ſehr artig ein ar⸗ tiges Gedicht deklamiren.— Ein Fräulein Zerffi ließ ſich in Klavier Variationen von Herz hören und leiſtete, in Rütſicht auf ihre noch zarte Jugend, ſehr Erfreuliches. Herr Stoll ſang ein Liedchen mit Beifall, und die H. H. Winkhler, Stoll und Ellinger wirkten in oben erwähnter Romanze mit, wodurch die Ausführung um ſo gelungener wurde. H.
Beilage: Der Schmetter⸗
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Herausgeber und Verleger Franz Wieſen.
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