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ventre a terre), wobei ihm der Athem kaum ausreichet. Worte müſſen ver— ſtanden und Töne geſungen werden; dieſer Karrieregeſang mußte auf Ver— langen des Publikums wiederholt wer— den,—„o hol, ſingt der Komi⸗ ker Scholz,„ich kann's ja nicht än— dern, es is halt a ſo?“ Wie herrlich klingt dieſe ſeltene, ſchöne, ſo zu Her— zen gehende Stimme Pöck's, wenn ſie gehöriges Zeitmaß hält und nicht for— cirt wird.— Die Parthie des Gouver— neurs war durch Hrn. Strakati gut beſezt.— Dem. Groſſer gaſtirte auch als Page in der„Ballnacht“, ſie ſchien nicht bei Laune, auch der Geſang war nicht im leichten franzöſiſchen Styl ge— halten. Dagegen war Dem. Groſſer als„Jeſſonda“, in der gleichnamigen Oper von Spohr, ganz vortrefflich, ſelbſt der berühmte Kompoſiteur derſelben, welcher dieſer Vorſtellung beiwohnte, hatte ſich über dieſe ſchöne Leiſtung vortheilhaft ausgeſprochen.— Dieſer gelehrte Tondichter verweilte einige Tage in unſern Mauern und dirigirte zweimal ſeine Oper„den Berggeiſt““, welche zur Benefize der Nad. Podhorsky gegeben wurde; das Erſcheinen Spohrs beim Pulte erregte den höchſten Ent hu— ſiasmus, welcher ſich mehrmals wieder— holte u. wobei der Veifallsſturm kaum enden wollte; die Ouverture mit einem ſehr ſchönen Mittelſaze mußte wieder holt werden. Im Ganzen hat die Oper nicht angeſprochen, ungeachtet mehrere Piecen großen Beifall erhielten; die Handlung iſt gehaltlos, ohne alles In— tereſſe, was natürlich der beſten Muſik Eintrag thut.— Dem. Groſſer ſang als lezte Gaſtrolle die Alice, im„Ro— bert der Teufel“, in dieſer erntete ſie den größten und verdienteſten Beifall, der Geſang war eben ſo ausgezeichnet als ihr Spiel durchdacht. Dem. Groſ— ſer wurde vom Direktor Stöger geeig— net befunden, an die Stelle der Dem.
Luzer engagirt zu werden; wenn ſie gleich im kollorirten italienſchen und franzöſiſchen Geſange vor der Hand der Dem. Lutzer wohl nachſteht, ſo beſizt Erſtere die verdienſtliche Eigenſchaft des getragenen Geſanges, denn das Por— tamento ihrer umfangreichen egalen Stimme iſt eben ſo ungewöhnlich als ſehr wirkſam, und unbezweifelt wird ſie bei anhaltendem Fleiße und Stu⸗ dium ſich auch die nöthige Fertigkeit erwerben. Zudem verbindet Dem. Groſ— ſer mit dem Geſangs- ein ſehr beach— tenswerthes Darſtellungstalent, aus welcher Grazie und hoher Anſtand her— vorleuchtet. Hr. Stöger hat kein Opfer geſcheut, dieſe mit Liebenswürdigkeit ausgeſtattete Sängerin für unſere Büh— ne zu gewinnen.— Scholz, der Komiſche, hat uns ſehr unterhalten, folglich gro— ßen Beifall gefunden.— Der berühmte und den Peſthern wohl bekannte Vio— linvirtuoſe Vieuxtemps hat mit außer⸗ ordentlichem Beifall auf ſeiner Durch— reiſe nach Karlsbad einmal ſich hören laſſen, er wird ſpäter zurükkommen.— Die Schauſpielerin Dem. Denker, wel— che im k. k. Hoftheater ſo ſehr gefal⸗ len, wird hier gaſtiren, über ihre Lei— ſtungen nächſtens von Ihrem Freimüthigen.
Literatur.
Wien.(Würdigung eines öſter⸗ reichiſchenNationalbuches im Auslande.) Einem literariſchen, wie jedem andern einheimiſchen Werke kann es wohl nicht anders als zum Ruhme gereichen, wenn andere Länder es für ihren eige— nen Horizont nachbilden. Dies ehren— de Geſchik iſt dem bekannten vaterlän— diſchen Centralwerke:„Oeſterrei— chiſche National⸗Enecyklopä⸗ die“(6 Bände, 8. Wien, bei Beck; Preis 20 fl. C. M. Peſth, zu haben bei Hartleben) zu Theil geworden. (Einige Exemplare ſind auf Schreibve— lin abgedrukt worden; ein ſolches ko— ſtet 50 fl. C. M.) Alsbald nach deſ—⸗ ſen Auftreten erſchien eine ſäch ſi⸗


