Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
453
 
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Zeremonie verbannt war. Der Monarch hatte bisweilen ſeltſame Einfälle und er rief mit Einemmale:Es kommt mir vor, als wenn wir gerade von einer Größe wären. Wir wollen einmal meſſen. Der General ſtellte ſich mit dem Rüken an den des Königs, ſtatt ſich aber meſſen zu laſſen, bewegte er den Kopf hin und her, ſo daß er nicht gemeſſen werden konnte. Ein anderer Ein⸗ fall brachte den König wieder auf andere Gedanken und er verließ das Zim⸗ mer.Warum ſtanden ſie denn nicht ſtill und ließen ſich meſſen, Herr Gene ral? fragte einer der Anweſenden.Ich, antwortete der General,wußte

ja nicht, ob er größer oder kleiner ſein wollte.

Theater.

Prag.(Die Oper. Dem. Trie⸗ benſee. Dem. Groſſer.) Dem. Trieben⸗ ſee, die kaum 17-jährige Tochter unſers Kapellmeiſters, machte als Zerline im Don Juan ihren erſten theatrali ſchen Verſuch; ihre Befangenheit war jedoch dermaſſen, daß jedes dezidirte Urtheil als voreilig und unüberlegt erſchienen wäre; man mußte daher ih re zweite Rolle, die Roſine imVar bier, abwarten. Aufrichtig geſtanden, mir wurde bange, ob dieſer ſchweren Aufgabe, denn es erheiſcht die Pflicht ſo wie die Billigkeit, ein aufkeimendes Talent, auf welches manche Erwar tungen und Hoffnungen geſtellt wer den, aufzumunteren, und jede Nach ſicht walten zu laſſen, um den ohnehin dornenreichen Pfad nicht noch beſchwer licher zu machen. Dem. Tr. löſte doch ihre ſchwierige Aufgabe auf eine ekla tante Weiſe; von aller Befangenheit frei, ſang ſie ſehr nett und mit Leich⸗ tigkeit die für ſie von ihrem Vater nach Maßgabe ihrer Fähigkeit u. zarter Jugend eingerichtere Parthie. Dem Tr. ließ auch mit graziöſen Körperbe wegungen ein nicht gewöhnliches Spiel talent wahrnehmen, und iſt im Beſtz eines ſehr angenehmen Sprachorgans; die Zeit u. anhaltendes Studium wird das Uebrige thun. Hr. Schuhmann,

Ansichten. Urtheile. Begebnisse.

Baſſiſt vom königſt. Theater, hat eine ſtattliche Theaterfigur mit einer ergi bigen umfangreichen Stimme, jedoch ungteichem Regiſter, mangelnder Me thode, talentloſem Spiel, welches in der Rolle des Seneſchall nur zu deut lich zu ſehen war. Mad. Schuhmann: gefälliges Aeußſere, ſtarke Stimme ohne Höhe, für kleinere Parthien, beſonders im deutſchen Geſang, z. V. Annchen im Freiſchä;(obgleich ſie oft diſtonirt) ſehr verwendbar; aber für ihr eigent lich engagirtes Fach, als Lokalſänge rin, wenig oder gar nicht geeignet da ihr der nöthige(öſterreichiſche) Hu mor gänzlich mangelt, daher unſer Komiker Hr. Feiſtmantel verwaiſt da ſteht. Die OperDon Juan wur- de mit größtentheils neuer Beſezung gegeben. Dem. Groſſer(Anna): ſchö⸗ ne kräftige Stimme, herrliches Porta mento, RNecitativ etwas mangelhaft, die zweite große Arie nicht genial ge nug, großer Beifall Demoiſ. Ret tig, Elvira, mit Auslaſſung der ſchwie rigen Geſangsnummern, übrigens ziem lich reine Intonation, aber zu wenig Kraft. Beifall. Dem. Triebenſee, Zerline, iſt bereits oben beſprochen. Hr. Pöck, Don Juan, männlich ſchöne Geſtalt mit einer herrlichen Stimme, welche oft unnöthig foreirt wird; das Champagner-Lied ſingt Hr. P. prestis- simo(in der Kunſtreiterſprache genannt