Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
452
 
Einzelbild herunterladen

452

die Orude auf den Rüken, und ihr könnt ihn nicht abſchütteln: geht ins Theater, lacht über den Lumpazivagabundus und den Rappelkopf, bis ein heitrer Himmel über eurem verdüſterten Gemüthe heraufzieht! Was iſt die Welt anders als ein Theater, und wir ſind die Aufwärter darinnen, die höch⸗ ſtens ein Vaar Stühle hin und wieder tragen, bis es dem lieben Gott gefällt, den Lebensvorhang fallen zu laſſen!

Mein Freund! ſagte ich lachend über ſeine Allegorien-Wuth,fragt nur die Rezenſenten, was die von eurem Wunderlande ſagen!

Das Wort Rezenſent brachte ihn in Wuth, wie die Raketen den andakuſiſchen StierA bas mit den Rezenſenten, dieſen Wetterhähnen und Chamäleons! Wenn die Kouliſſen reden könnten, ſie würden Ihnen Dinge vorſchwäzen von denen Ihnen Ihre Philoſophie nichts träumen läßt!(der Leſer ſieht, daß unſer Genie auf dem Liebhabertheater auch den Hamlet ver arbeitet hatte) Ja, wenn die Augen nicht wären! Das iſt die Stelle, wo ſie ſterblich ſind! Ein unpartheiiſcher Rezenſent müßte blind gebo ren werden, oder wie ein Trompeter in eine feindliche Stadt, mit verbunde- nen Augen in den Muſentempel treten, auf die Bühne ſchon gar nicht! Iſt ſo ein Kritiker ſo glüklich, die Augenſonnen der Primadonna oder einer anderen Donna der Vretterwelt auf ſich zu lenken; dann findet er ſogleich, daß ſie zu den gefeiertſten Künſtlerinen ihrer Heit gehöre, undrernen europäiſchen Ruf habe. Die Theaterbeſucher leſen mit Verwunderung, daß ſie in dieſer oder jener Rolle unerreichbar wäre, während der Referent den kleinen Um⸗ ſtand vergaß, daß ſie vom Publikum ausgelacht war. Aber wehe! wenn die Künſtlerin unterläßt dem Manne, der die Unſterblichkeit in VBauſch und Bogen verkauft, ihre Anſtandsviſite zu machen, wenn ſie ſeinen Zärtlichkeiten ein finſtres Geſicht ſchneidet und für ſeine Worte kein offnes Ohr hat! Die Exempel ſind odiss! ſagen die Lateiner das heißt auf deutſch: Dergleichen paſſirt alle Tage!

Iſt der Mann einmal auf dieſes ſein Lieblingsthema gekommen, ſo fin det fer, wie der im Irrgarten der Liebe herumtaumelnde Cavalier, nicht wieder heraus; er würde, wie der berühmte Parlamentsredner Foy, ſechs Stunden in einem fort ſprechen, wenn ihn nicht der dröhnende Schlag meiner Pendel uhr, gleich einer mahnenden Stimme, an ſeine Amtsgeſchäfte erinnerte. Das iſt das Loos des Schönen auf der Erden! ſagte er dann ſeufzend, indem er über die in Schlachtenlinie aufgeſtellten Stiefel mit Feldherrnblik Revue hält, und die ſchadhaften in die Reihe der Vöke ſtelltdaran iſt unfehlbar die engliſche Wichſe ſchuld! ſagte er mit Stiefelpuzerwürde, indem er mir das durchlöcherte Oberleder weiſet.Ja, ja, die Wichſe und die Rezenſenten haben viel Unheil in der Welt geſtiftet! ſchließt er, mit einem vielſagenden Blike, als hätte er ein Vonmot gemacht, und poltert dann lachend die Treppe hinab. Joh. Langer.

Ein echter Hoͤfling. Ein ſchottiſcher Offizier von nicht eben großem Verdienſt, der ſich aber durch echte Höflingskunſt hoch hinaufgeſchwungen hatte, befand ſich einmal in Windſor mit einigen Andern bei Georg UI., in einem Augenblike, als alle