Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
447
 
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447 ſtiren. Am 10. d. M. gab Herr! Söhne, wie Guelfen und Ghibeltnen,

Prosper Sainton, erſter Preisbetheil ter am Konſervatorium in Paris, und erſter Violinſpieler an der k. Akade mie der Muſik, eine Akademie im Kärn thnerthortheater. Derſelbe gab zu erſt ein Fragment aus einem Konzerte des Viotti, hatte aber das Unglük, da er daſſelbe auswendig ſpielte, zweimal ſteken zu bleiben; ſodann Variationen von Bériot. Der Künſtler reiht ſich dem Ausgezeichneten in dieſem Fache an, und iſt des ihm geſpendeten Bei falles würdig. Zwiſchen beiden Pie cen ſang Hr. Kaler, vom Peſther Thea ter, ein- Arie aus der Oper:Acht Monate in zwei Stunden, von Do nizetti, welche, zu einem Konzertſtük wenig geeignet, ſpurlos vorüber ging. Der Sänger wurde am Schluſſe der ſelben von einigen Stimmen gerufen, und erſchien. Hierauf das Divertiſſe ment:Clorinde, oder: die erſte Lie⸗ be. Das Haus war leer. Künfti⸗ gen Sonnabend werden die beiden De moiſell. Fanni u. Thereſe Elßler, ſo eben aus Paris angekommen, in eini gen Balleten auf dem k. k. Hoft hea⸗

ter am Kärnthnerthor debutiren. *

Mignon ⸗Zeitung.

Feuilleton aus Wien. (II.) Kliſchnigg iſt wieder in unſern Mauern. Die Zahl der Affen iſt nun komplett! Kliſchnigg, Viool, Lawrence und RNedisha! Das ſchönſte Quartett der Gliederverrenkungskunſt! Jezt erſt geht der wahre Götterſpaß, der Haupt jup an! Wie man hört, werden dieſe vier Matadors eine Wetthalsbre cherei ausführen. Man iſt neugie⸗

rig, wer die Palme erringt! In

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dem berühmten Lerchenfelde, an den

Ufern des Heurigen, dem Vater lande der Affen, ſtehen Väter und

ſich feindlich gegenüber. Die Erſtern, ſchon von Alters her, huldigen dem an tiken, und die Leztern aus Zeitge ſchmak dem modernen Affenthu me. Wie wird das enden 2! Die ſung ruht in des Schikſals dunklem Schoo e. Nun mit einem Viool'ſchen Saltomortale zu etwas Anderem: Am 5. Juli wurde im Kärnthnerthorthea ter, die Saiſon der deutſchen Oper eröffnet.Montecchi und Capuletti führten den Reigen der deutſchen Muſik an, als ob unſer deutſches Opern-Repertoir ſo bettelarm wäre! Spohr, der unſterbliche Komponiſt des Fanſt, iſt auf einige Tage hier und im Gaſthofezum Erzherzog Karl abgeſtiegen. Hätte man nicht die erſte, deutſche Vorſtellung, zu Ehren des gro ßen Meiſters, mit der koloſſalen Oper Jeſſonda beginnen können 2! Delles. Lutzer und Mad. Stöckl-Heinefetter, in denMontecchis und Capulets, die Hauptparte mit anerkannter Mei ſterſchaft durchführend, wurden mit vie lem Applauſe während der ganzen Vor ſtellung ausgezeichnet. Der Tenoriſt Tichatſchek, ſchon früher am Kärnthner thor, ſpäter beim Grätzer Theater und nun wieder beim Hofoperntheater en gagirt, berechtigt zu den angenehmſten Erwartungen. Unſere Belletriſtik und Journaliſtik braucht die Molkenkur und wird beinahe gänzlich auf dem Lande betrieben. Viele Choragen un ſerer Literatur wohnen auf dem Lan- de; ja ſelbſt ein Paar Journaliſten haben ſich in die freie Natur begeben, um doch einmal ungezwungen und natürlich in ih⸗ rem Styl zu werden. Ein ſpaßiges qui pro quo fand dieſer Tage hier ſtatt. Ein junger Menſch kömmt des Mor gens in ein Haus der Rſſtraße, öffnet die Thüren eines nicht bewohnten Quar tiers im erſten Stoke, und ſcheint ge

minorum gentium