Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
446
 
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bereits durch ſeine zwei erſten Gaſt rollen die Anerkennung der ſtrengen und urtheilsfeſten Beſucher dieſer Büh⸗ ne erworben, die den Ruf großer Keh⸗ lenkünſtler ſchon oftmals für das eu⸗ ropäiſche Geſangspublikum feſtſtellten oder vernichteten; auch als Sever mach te derſelbe Vorzüge geltend, die ihn auszeichnen, als: eine geſunde, kräf tige Stimme, hübſche Geſtalt, zwek mäßiges Spiel und Energie im Vor trage, der nur zuweilen die Fülle und einen geläuteren Geſchmak zu wünſchen übrig läßt, was dem noch jungen Mann bei einigem Fleiße und guten Vorbil dern jedoch nachzuholen nicht ſchwer werden, und ihn in die Reihe der er⸗ ſten Tenore Deutſchlands ſtellen dürfte. Er wurde mehrmals applaudirt u. ge rufen. Der Beifall, den Herr Kaler erhielt, war ebenfalls ein verdienter, denn er wußte gleich in ſeiner erſten Arie mit Chor ſeine ſchöne Stimme, die keineswegs der Kraft entbehrt, geltend zu machen u. das Wohlwollen des Pu blik ums für ſich zu gewinnen, das ihn ſowohl nach dieſer Piece, als auch im 2. Akte und am Schluſſe vorrief. Indeſſen läßt ſich über ihn nach dieſem erſten Verſuche, bevor er in andern dominirenderen Parthien als Sänger und Schauſpieler vor uns tritt, noch kein prägnantes Urtheil fällen, und einſtweilen nur einen Theil jener Lor⸗ beern, womit die Herrren Provinzial referenten aller Farben, die mit dem Prädikate: unſer Lablache, unſere Nachtigall, unſere gefeierte Künſtle rin c., ſo wohlfeil ſind, für ihn auf nehmen und in Bereitſchaft halten. Gleich Günſtiges läßt ſich von Dem. Mayr berichten, welche, früher Ver einszögling, heute als Adalgiſa zum erſten Male die Bühne betrat, und ſogleich die treffliche Schule erkennen ließ, aus der ſie hervorgegangen. Die Stimme iſt rein, warm und zum Her⸗

zen dringend, Intonation ſicher, Ko⸗ loratur geſchmakvoll und von dem Ve wußtſein des Gelingens beherrſcht. Der Beifall war entſchieden günſtig, bei manchen Rollen energiſch. Nicht das⸗ ſelbe läßt ſich von Mad. Mink(Norma) ſagen. Sie mag es empfunden haben, um wie viel heißer die hieſigen Bret ter gegen ſene ſind, denen ſie früher angehörte, und daß gewiſſe Lärmtrom peten das hieſige Publikum in ſeinem Urtheile nicht beirrte. Mad. Mink's ſo oft und mit lyriſchem Schwunge geprieſene Nachtigallſtimme klingt nun mehr, durch Anſtrengung und Hinauf ſchrauben zu höherer Mächtigkeit er müdet, etwas acut, und entbehrt nicht ſelten der Leichtigkeit und des Wohl lautes. Indeſſen trifft ſich der lezte Uebelſtand an mehreren der geprieſen ſten u. gefeierteſten Namen der Opern welt, aber ſie gleichen dieſen Mangel reichlich durch die gebildetſte, geſchmak⸗ vollſte und raffinirteſte Koloratur aus. Bei Mad. Mink aber iſt eben dieſer Vorzug Anderer, die partie honteuse ſie iſt verwiſcht und ohne Elegance, und entbehrt des innern Funkens, der er⸗ wärmt u. belebt. Es iſt indeſſen nicht zu läugnen, daß auch Manches gelang, und die Zuhörer Dasjenige rükſichts voll würdigten, was nur immer aus der Mittelmäßigkeit heraustrat. Mad. Mink wurde ſowohl nach dem erſten Akte, als am Schluſſe gerufen, und wiederholte im zweiten Akte das Duett mit Adalgiſa, doch war der geſpendete Beifall nicht immer das Produkt der innern Erregung, ſondern zuweilen das des Wohlwollens, als Waffe gegen die Schlangenzungen der Oppoſition und der Artigkeit gegen die Dame. Die Renovirung des Vurgtheaters dürfte ſchwerlich bis zum 1. Aug. vollendet ſein. Daſelbſt ſoll, der Sage nach, in demſelben Monat, Hr. und Mad. Ger⸗ lach, vom Theater an der Wien, ga