Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
445
 
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armſelige Handlung dreht ſich faſt um nichts herum, die Charaktere ſind nichts ſagend, die Situationen unwahrſchein lich und ſelbſt der Dialog entbehrt des ſonſt bei Kotzebue ſprudelnden Wizes. Deſſenungeachtet wußte unſer geſchäzte Gaſt ſeiner Rolle allen möglichen Reiz abzugewinnen; er ſpielte mit großer Gewandtheit die Komödie in der Ko mödie, war bald der pedantiſche dagog, bald der überſchwängliche Bon vivant, ohne einmal aus einer Rolle in die andere zu fallen. Drollig war die Szene mit der alten Haushälterin, wie er ſie mit einer pathetiſch⸗komiſchen Suade bewegt, den Ball zu beſuchen. Hr. Wothe gefiel und ward geru fen. Aber in weit höherem Grade ſprach er als Pfeffer, in der darauf folgenden PoſſeNro. 777 an. Hier hatte der Künſtler mehr Gelegenheit ſein emi nentes Talent geltend zu machen. Die ſer Pfeffer hat ſchon einen originellern Anſtrich. Er iſt aus Sarkasmus, Vos heit u. Schadenfreude zuſammengeſezt und mit komiſchen Ingredienzen der geſtalt gewürzt, daß die Totalwirkung draſtiſch wird. Wenigſtens erſchien uns ſo der Pfeffer des Hrn. Wothe. Wir bemerkten keine Gezwungenheit, keine erkünſtelten Geſtikulationen, keine ou trirten Bewegungen, ſondern eine aus dem Leben gegriffene Skizze, das Por⸗ trait eines Menſchen, wie er leicht denkbar iſt, ausgeſtattet mit einem fri ſchen aus dem Innern kommenden Hu mor. Der Effekt war unfehlbar und das ziemlich zahlreiche Publikum blieb in immerwährender Heiterkeit. Herr Wothe erhielt großen Applaus u. ward ſtürmiſch gerufen. Würdig zur Seite ſtand ihm Hr. Nötzl(Notar). Recht pſychologiſch zeichnete er den Geizhals, der ſo ſehnſuchtsvoll auf eine Beute lauert, u. durch allerlei Mittel, durch Heuchelei und ſelbſt Freigebigkeit ſie zu erlangen ſucht. Hr. Nötzl erwarb

ſich durch ſeine glükliche Auffaſſung vielen Applaus. Am 12. gab Hr. Wo⸗ the den Schelle in RaupachsSchleich händler zur dritten Gaſtrolle. Un⸗ ſer anderer Gaſt vom Hofburgtheater, Dem. Reichel, hatte am 10. ihre Be⸗ nefize. Sie wählte hiezu HalmsGri ſeldes und gab die Titelrolle. Im Ganzen gilt auch hier von ihr das be reits in dieſen Blättern Geſagte. Dem. Reichel beſizt höchſt erfreuliche Anla gen, die gewiß einer hohen Ausbil⸗ dung fähig ſind. In der Griſeldis be merkte man ſchon Studium und tiefe⸗ res Erfaſſen der vom Dichter dargebo tenen Momente; eine Ausprägung der Leidenſchaften u. Vorwaltung des Ge⸗ fühls. Mehrere Szenen können wir beſonders gelungen nennen und jene, in welcher Sie das Kind dem Gatten opfert, zeigt von inniger Empfindung.

Sie erwarb ſich einſtimmigen Beifall. Herr Thome ſpielte den Percival

mit lobenswerther Einſicht. Er hielt ſich diesmal in den Marken der Mäßig⸗ keit und ſein Feuer war erwärmend, nicht verzehrend. Auch ihm ward ge rechte Theilnahme. P. London. Mad. Schröder-De⸗ vrient hat als Norma weniger gefal len, als im Fidelio(d. h. den deut ſchen Enthuſtaſten, denn das Londoner Publikum nahm auch von dem Fidelio wenig Notiz). Man fand ihren Ge ſang zwar ſehr glänzend und energiſch, aber das Spiel zu ſtudirt; auch ſoll ihr die engliſche Sprache, beſonders in den leidenſchaftlichen Momenten, manch mal Schwierigkekten gemacht haben. 6 M. Wien(11. Juli). Sonnabend, den 8. Juli. Theater am Kärnthner thor:Norma. Hr. Tichatſcheck, vom Grätzer(Sever) und Hr. Kaler vom Peſther Theater(Oroviſt) als Gäſte, Mad. Mink(Norma), Dem. Mayr (Adalgiſa). Hr. Tichatſcheck hat ſich