Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
430
 
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den Verſuch zu wagen. Dieſe Idee ſchmeichelte meiner Einbildungskraft, und einige Wochen darauf verfaßte ich für die vierte Saite eine Sonate, betitelt: Napoleon, welche ich am 25. Auguſt vor einem zahlreichen und brillanten Hofe vortrug. Der Erfolg übertraf meine Erwartung. Von jener Zeit da⸗ tirt ſich meine Vorliebe für die G-Saite. Man wurde nicht müde, meine für dieſe Saite verfaßten Kompoſitionen zu hören. Wie man von einem Tage zum andern mehr lernt, ſo gelangte auch ich zu dieſer Fertigkeit, welche nun

nichts Erſtaunliches mehr an ſich haben ſollet.

Ansichten. Urtheile. Begebnisse.

Theater.

Ofen.(Gaſtſpiel der Dem. Rei⸗ cel.) Das Hofburgtheater in Wien entſendete uns eine ſeiner lieblichen Prieſterinen in der Perſon der Dem. Reichel, auf daß ſie auf hieſiger Bühne ihr Talent entfalte. Sie eröffnete am 2. d. M. als Donna Diana ihre Gaſt rollen. Eine ſtattliche Geſtalt, eine anmuthige Phyſiognomie, eine edle Haltung und ein verſtändliches Organ ſind die einnehmenden Aeußerlichkeiten, die uns dieſe jugendliche Schauſpiele vin ſo vortheilhaft empfahlen. Die Auf⸗ faſſung der Rolle zeigte uns auch bald eine innewohnende Phantaſie und eine glükliche, auf Regeln der Kunſt baſirte Darſtellungsgabe. Dem. Reichel hatte Gelegenheit große Vorbilder zu beob achten und es blieb uns nicht unbeach⸗ tet, daß ſie das Beſte zu benüzen wuß te. Sie mag gefühlt haben, daß zwar Donna Diana eine der dankbarſten Aufgaben ſei, die je an Hiſtrionen geſtellt wurde, daß aber Zartheit und Geſchmak dazu gehört, um dieſe Rolle über das Alltägliche zu erheben und ſiegreich darin hervorzutreten. Man be merkte ihr ſichtbares Entfernen vom Gewöhnlichen und ihr löbliches Hin neigen zum Edlern, Er habenern, und dieſes lobenswerthe Streben ward größ tentheils mit Erfolg gekrönt. Meh⸗

rere Momente waren ausgezeichnet, be ſonders gelang ihr die Paſſage vom Stolze zur Hingebung, die aber kei nesweges in Demuth überging. Das Publikum nahm ihre Leiſtung mit ge rechter Würdigung auf u. lohnte ſie mit mehrmaligem Hervorrufen. Tags darauf gab ſie die Olga, in Raupachs Iſidor und Olga, als zweite Gaſt⸗ rolle. Faſt noch mehr als in der Dia⸗ na gelang es hier der begabten Gaſt⸗ ſpielerin ſich Theilnahme zu gewinnen. Sie ſpielte mit Gemüth und begei ſternder Wärme. Ihre Deklamation hatte Leben u. bedeutungsvollen Aus druk. Die Frükſtüksſzene war charak⸗ teriſtiſch ſchön und erinnerte an die unvergeßliche Mad. Nettich. Der Ap⸗ plaus war angemeſſen ihrer Leiſtung, er war groß und einſtimmig. Von der Umgebung an beiden Abenden er⸗ wähnen wir nur die H. H. Thome(Don Cäſar und Wlodimir), Kurt(Perin), Juſt(Oſſip) u. Goubau(Iſidor). Hr. Thome läßt ſich dann und wann vom Geiſte der Diktion zu weit führen, und Hrn. Kurt, der ein vielſeitig ver⸗ wendbarer Schauſpieler iſt, ſteht ſein Organ ſehr im Wege. Vielleicht wäre es einer Läuterung fähig. Am 6. d. M. gab Hr. Wothe, k. k. Hofſchau⸗ ſpieler, den Hr. v. Bern, in derun⸗ terbrochenen Whiſtparthie u. den Va⸗ tel, imEhrgeiz in der Küche zur

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