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miſſion, die die, der Stadt Wohlfahrt befördernde Ordnung erhalten ſoll, erbalten ſoll.— Zugleich wird hiemit von Neuem das, daß das muthwillige Veſchädigen der Bäume der neuen Anlagen der neuen Pro— menade, betreffende Geſez ſelbſt ſehr ſtrenz iſt, für den, dem der, der den Unfug verübte, bekannt iſt, ihn aber nicht bekannt macht, hiedurch bekannt gemacht; wonach ſich jeder achtbare Bür— ger, der gewiß wünſcht, daß man alle die, die die Ehre unſerer, unſerer Obhut anvertrauten, Stadt, durch Pöbel haftigkeit befleken, mit aller Strenge richten möge, richten möge!“—
Paganini's vierte Saite. (Aus dem Echo.)
Nicht unintereſſant dürfte das Bekanntwerden der Veranlaſſung ſein, welche den berühmten Virtuoſen bewog, ſich auf der vierten Saite allein eine allgemein bewunderte Fertigkeit zu erwerben; um ſo mehr, da verſchiedene ab— geſchmakte Märchen darüber erfunden wurden und ſich hier und dort Eingang verſchafften. Wir laſſen daßer Paganini's eigene Erzählung nachfolgen.
„Zu Lucca leitete ich jedesmal das Orcheſter, wenn die regierende Fa— milie der Oper beiwohnte. Man ſchikte mich auch oft in den Hofzirkel, und ich gab von fünfzehn zu fünfzehn Tagen großes Konzert. Die Prinzeſſin Eliſa (Bacciocchi, Schweſter Napoleon's) zog ſich immer vor dem Schluſſe zurük, denn die harmontſchen Töne meines Inſtrumentes reizten ihre Nerven zu ſtark. Eine ſehr liebenswürdige, von mir ſeit langer Zeit heimlich angebetete Dame zeigte ſich hingegen ſehr häufig in dieſen Reunionen, und es wurde mir bald klar, daß auch ſie ein angenehmes Geheimniß zu mir zog. Unvermerkt ſtei⸗ gerte ſich unſere gegenſeitige Leidenſchaſt. Eines Tages verſprach ich ihr, ſie im nächſten Konzerte mit einer muſikaliſchen Galanterie zu überraſchen, welche eine Anſpielung auf unſere Freundſchafts- und Liebesverhätniſſe ſein ſollte. Zugleich ließ ich bei Hofe bekannt machen, daß ich eine Neuigkeit unter dem Titel:„Liebesſzenen“ aufführen würde. Die allgemeine Neugierde war ſtark gereizt, aber welche Ueberraſchung für die Geſellſchaft, als man mich mit ei— ner Violine ſah, die nur mit zwei Saiten beſpannt war! Ich hatte nur die G- und die E-Saite gelaſſen: Dieſe ſollte Empfindungen eines jungen Mädchens ausdrüken, die andere ihre Stimme einem verzweifelnden Liebhaber leihen. Ich trug ſo eine Art leidenſchaftlichen Dialoges vor, wo die zarteſten Töne auf die Ausdrüke der Eiferſucht folgten. Es waren bald einſchmeicheln⸗ de, bald weinerliche Akkorde, Schreie des Zornes und der Wonne, des Schmer— zes und des Glükes. Eine Verſöhnung bildete den Schluß; die Geliebten mehr als je für einander entbrannt, führten einen Pasdedeux aus, welchen eine brillante Coda ſchloß.
Dieſe Szene machte Glük, ich ſpreche gar nicht von den freudetrunke— nen Bliken, welche die Dame meiner Gedanken auf mich fallen ließ. Die Prinzeſſin Eliſa, nachdem ſie mich mit Lobſprüchen überhäuft, ſagte ſehr ver— bindlich zu mir:„Ihr habt auf den zwei Saiten Unmögliches geleiſtet; ſollte denn für Euer Talent auch nicht eine allein genug ſein?“ Ich verſprach ſogleich
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