Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
419
 
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Raumes des Bildes ungeachtet, das noch überdles des beſchraͤnkten Lokales wegen dem Veſchauer viel zu nahe ſteht, faßt doch das Auge das Ganze voll kommen und mit einem Blik; ſo ſehr iſt das Verhältniß von Licht und Schat⸗ ten berechnet, die Wirkung der einzelnen Farben und ihr Einfluß auf einan⸗ der empfunden. 5

Der Künſtler hat auch in dieſem Bilde wiederholt und mit entſchiede⸗ nem Glüke den Beweis geliefert, daß ein naturwahres Kolorit, wenn es weiſe angewendet wird, ſelbſt dem höchſten Ernſte der hiſtoriſchen Kompoſition nicht widerſtrebe. Dieſes gibt ſich überzeugend kund in den Köpfen, über⸗ haupt in dem vorkommenden Nakten, beſonders aber in dem im Heldunkel gehaltenen Engel, welcher die Werkzeuge trägt, und in dem wahrhaft meiſter lich gemalten Iſaak. Zudem herrſcht in dem Gemälde ein Relief, in den ein⸗ zelnen Geſtalten eine plaſtiſche Rundung, die vielleicht eine Steigerung gar nicht mehr zuläßt. In erſterer Beziehung bemerken wir nur, mit welcher Veſtimmtheit, der häufig angewendeten rothen Tinten ungeachtet, die Figuren in den Chören der Engel ſich trennen, hervortreten oder zurükweichen; in lezterer Beziehung ſind die Figuren Joſephs, Abrahams, Iſaaks, Davids, beſonders aber die des Propheten Daniel unübertrefflich, auf überraſchende Weiſe imponirend. Die Gewänder ſind dem Stoffe nach genau angegeben und doch ſtyliſirt, die Drappirung verſtanden, großartig behandelt, und bis ins Detail modellirt. Das Ganze iſt Ein Guß, und zeigt von dem überwiegenden Geiſte des Künſtlers, mit welchem er ſeinen Gegenſtand durchdrungen.

Wir können von dieſem ausgezeichneten Gemälde nicht ſcheiden, ohne nicht unſer innigſtes Bedauern auszudrüken, daß uns nicht gegönnt iſt, das ſelbe am Orte ſeiner Beſtimmung zu ſehen, deſſen Hauptzierde es ſein wird; wir können aber auch nicht umhin, der kunſtſinnigen Stadtgemeinde in Peſth und ihrem gebildeten Vorſtande Glük zu wünſchen, ein ſo treffliches Werk zu beſizen, das ihrer Anregung ſeinen Urſprung verdankt, und wiſſen nicht, ob wir in dieſer Beziehung mehr den Künſtler, der es ſchuf, oder die Män⸗ ner mehr preiſen ſollen, die dazu die Veranlaſſung gaben. Möchte beides ein Zeichen ſein, daß wir nicht mehr fern von jener Kunſtſtufe ſind, auf wel⸗ cher die Griechen ſtanden, als ſie Gemeindenweiſe zuſammentraten, um mit dem Schärflein aller Einzelnen jene Tempel zu bauen, und ſie mit den ewi⸗ gen Werken der Kunſt zu ſchmüken, die noch jezt zur Bewunderung hinrei ßen; von jenem Zeitpunkte, wo auch unſere Kirchen geziert ſein werden mit erhabenen bedeutungsvollen Werken chriſtlicher Kunſt, wo der geſchmak⸗ und bedeutungsloſe Prunk oder die nakte Leerheit, welche in unſern Kirchen allenthalben herrſcht, verdrängt ſein, und Meiſterwerke der Kuuſt das Ge müth zu Gott erheben werden in frommer Begeiſterung. Uns aber ſei es erlaubt, wiederholt dieſes Vild als einen triftigen Beweis anzuführen, daß die vaterländiſche Kunſt des höchſten Aufſchwunges fähig, und jeder Zweifel gegen die Tüchtigkeit derſelben ungegründet ſei; möge dieſes Bild als Maß⸗ ſtab deſſen angenommen werden, was geleiſtet werden würde, wenn ſich jene kunſtſinnige, begeiſternde, ſelbſtſchöpferiſche Anregung fände, auf welche hin zudeuten wir uns ſchon einmal in dieſen Blättern erlaubt haben.(Das mei ſterhafte Gemälde, ſammt dem Künſtler, wird dieſer Tage hier in Peſth erwartet.)

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