416
(nach der Erzählung von Pariſer Op— poſitionsblättern) die Gäſte an Tiſchen mit 12 Gedeken vertheilt. Es wurde ſervirt: Fette Brodſuppe, Rindfleiſch, eingemachte Tauben, Hühner, Salat, ein Gericht Gemüſe. Von Faſanen und andern Herrlichkeiten will man nichts geſehen haben. Ein ſolches Eſſen könn—⸗ te man bei einem Reſtaurateur im Pa— lais-Royal für 40 Sous haben. Noch dazu waren faſt alle Speiſen kalt. (Vielleicht ſoll das Ganze nur eine Parodie der ſchwülſtigen Feſtbeſchrei— bungen ſein!)— Zu Ehren der Ver— mählung des Herzogs und der Herzo— gin von Orleans fanden in Marſeille große Feſtlichkeiten Statt. Sie be— gannen Morgens im Hafen, wo alle Schiffe unter dem Kanonendonner der Forts und dem Geläute aller Gloken ihre Flaggen aufzogen. In der Stadt waren alle Läden geſchloſſen, die Men— ge durchzog die Straßen; Revüe; auf der Börſe wurden an 100 Knaben und 16 Mädchen Sparkaſſenbücher vertheilt, worin als Geſchenk des Kronprinzen 100 verzeichnet waren. Später wurden aus ſtädtiſchen Mitteln 16 Mädchen mit 500 Fr. beſchenkt, die ebenfalls in die Sparkaſſe niedergelegt werden, bis ſie ſich verheirathen. Im Hafen fand darauf Fiſcherſtechen Statt, welches bis 6 Uhr Abends dauerte.— Man er— zählt noch immer traurige Details über die Vorfälle auf dem Marsfelde. Eine Madame Cornuty und ihre Niece Klo— tilde, ein Mädchen von 18 Jahren, waren dabei anweſend. Beide Frauen hielten ſich feſt umſchlungen, als das Gedränge ſie immer mehr zuſammen— preßte. Auf einmal werden ſie ausein⸗ andergeriſſen. Madame Cornuty ſtürzt
todt zuſammen, ihre Knochen ſind zer⸗ malmt. Klotilde verliert darüber die Beſinnung; halb erſtikt fällt ſie weni—⸗ ge Schritte von ihrer Tante entfernt nieder, und wird von einem Küraſſier⸗ kapitän aufgehoben. Obwohl entſezlich verſtümmelt, wurde ſie doch durch eine Aderläſſe wieder zum Leben gebracht. — Hier ſoll man für 500,000 Franks falſche Münze gefunden haben.— Der Direktor des Pariſer Varist étheaters hat ein Patent auf ein eben ſo einfa— ches als ſinnreiches Mittel, die Schau— ſpielhäuſer gegen Feuer zu ſchüzen, erhalten.— In Belleville bei Paris ſollte zwiſchen zwei Voxern ein Zwei— N kampf auf Leben und Tod e Sie erſchienen mit Sekundanten auf dem Kampfplaze, u. kleideten ſich aus. Dem Einen wurde ein Auge ausge— ſchlagen; der Andere erhielt einen Biß in die Schulter, daß ein etwa 3 Zoll großes Stük herausfiel. Die Sekun— danten legten ſich hierauf ins Mittel, und die beiden Kämpfer wurden fürch— terlich zugerichtet nach Hauſe b N
Gotha. Hier war dieſer 5 ein Handwerker, deſſen Familie an der Kräze litt, ſo unvorſichtig, ſogenannte Hausmittel anzuwenden. Er gab am Abend Schwefelblüten in Branntwein, heizte ſehr warm ein, und legte noch überdies ſchwere Deken über die Kran— ken. Am andern Morgen waren die Schwägerin von 21 Jahren und zwei Kinder von 11 und 9 Jahren 8
Modenbil d. Nr. 26. (Paris, 18. Juni). Toque von Reis- ſtroh mit einem Paradiesvogel geziert. Kleid. von Pou de Soie.
Halblähriger Preis 4 fl., mit freier Poſtzuſendung 5 fl. Auf Velinpapier mit erſten Kupferabdrſiten 5 fl. und poſtfrei 6 fl. C. M.— Man pränumerirt im Kommiſſionsamt zu Ofen(Feſtung, außerhalb des Waſlerthors), in C. Millers u. F. Tomalas Kunſthandlungen zu peſth und bei allen k. k. Poſlämtern.
Herausgeber und Verleger Franz Wieſen.


