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Alſo unſer Liebhaber, Namens Lin⸗ den, bekommt ſeine Wittwe, obwohl er ihr vorher eingeſteht, daß er ſie betrogen habe, d. h., daß er ſich nur geſtellt hätte, als wäre er wahnſinnig in ſie verliebt, und daß er und ſein Freund keine wirklichen Diener wären. Aber dies aufrichtige Geſtändniß frührt die Wittwe noch mehr und ſie wird erſt recht die Seinige.— Wenn gleich im Ganzen etwas Einförmigkeit berrſcht, indem ſich Alles um einen und denſel— ben Gegenſtand dreht, ſo iſt doch viel Geſchik in der Durchführung, in dem Dialoge, in der Charakterzeichnung und in den Situationen allenthalben ſichtbar und das Stük gefiel ſehr. Auch die Ueberſezung verrieth viel Geſchik und Fleiß.— Die Darſtellung war durchgehends ſehr gelungen. Mad. Ka— lis⸗Vadjera gab die Wittwe mit weib— licher Grandezza, anſtändiger Haltung und doch mit vieler konverſationeller Grazle; Hr. Kalis den ſchlauen Kam— merdiener, eine Art modernen Perin, mit vieler Geſchliffenheit und politir— ter Verſchmiztheit; Hr. Deſſoir den Liebhaber mit berechneter Wahrheit; Herr Berg den Prokurator Raſch mit heiterer Lebensluſt; Hr. Rott den dum⸗ men Bedienten mit einer Fülle von Laune. Außerdem verdienen Mad. De— ny, Dem. Schmit u. Hr. Fröhlich in ihren kleinern Nollen Erwähnung.
F.
Mignon ⸗Zeitung.
Frankfurt. Die hieſige Ober— poſtamtszeitung von 20. Juni enthält unter ihren Intelligenznachrichten fol— gende Anzeige:„Aufforderung, das Heilmittel der Cholera betreffend. Noch lebt in traurigem Andenken eines Je— den, wie furchtbar die ſchauderhaſte Seuche(Cholera) faſt ganz Europa gei— ßelte, wie viele Tauſende von Men—
ſchen durch ſie weggerafft wurden; es drükt das Gemüth nieder, daß die einſichtsvollen Aerzte ihr Wiederkehren prophezeihen. Es iſt bekannt, daß ein Mann in Deutſchland lebt, der ein erprobtes Präſervativ gegen ſolche be— ſizt; warum macht er doch dieſes nicht bekannt, hat er kein menſchliches Er— barmen?— Der Unterzeichnete, dem der Beſizer dieſes Präſervatives be— kannt iſt, ohne daß er hier ſeinen Na— men nennt, fordert denſelben auf, die— ſes unſchäzbare Geheimniß zum Beſten der Menſchheit in Välde bekannt zu machen, widrigenfalls man ſich genö— thigt ſieht, ſeinen Namen öffentlich zu nennen, und ihn als einen fühlloſen Menſchen zu bezeichnen, der ſich an— dernfalls ein großes Verdienſt um die leidende Menſchheit erwerben würde.““ Unterzeichnet:„Ein Menſchenfreund.“ — Es fragt ſich nun, ob„der Menſchen— freund“ u. der„Fühlloſe“ die Inſer⸗ tionsgebühr für dieſe Anzeige nicht ge⸗ mein ſchaftlich beſtritten haben. M.
Buntes aus London. An den neuen Eilwagen des Londoner Ge— neral-Poſtamts iſt hinten eine Vor— richtung angebracht, durch welche, ohne daß der Kondukteur abzuſteigen braucht, beim Herunterfahren von Bergen ge— hemmt, auch, wenn die Pferde durch— gehen, der Wagen ſofort angehal— ten werden kann. Dieſe Vorrich—⸗ tung iſt höchſt einfach: zwei Stüke Holz, welche gegen die Räder drüken; eine Verbindungsſtange geht bis an die Deke des Wagens, und wird durch eine Schraube gedreht. Die Wirkung auf die Räder iſt augenbliklich.— Ein Haushofmeiſter in England hat kürz⸗ lich ein originelles Mittel zum Selbſt— mord gewählt, indem er ſich in einer Biertonne erſäufte. Spielverluſte ſol— len ihn in Verzweiflung gebracht haben.
Buntes aus Paris. Bei dem großen Diner in Verſailles waren
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