Jahrgang 
Band 2 (1837)
Seite
413
 
Einzelbild herunterladen

eee eee eee

BB

In unſerer Zeit muß der Zahnarzt, der alten Sitte entgegen alle Zähne im ſchönſten Zuſtand beſizen. Seine Haare ſind kurz abgeſchnitten, ſeine Hände weiß und fein, ſeine Rede iſt fließend; nie darf ein Vart ſeine

Oberlippe beſchatten. Seine Füße hüllt er in Pantoffeln aus rothem Maro

quin, trägt Veinkleider aus gewürfeltem Stoff und einen Schlaſrok von tür kiſchem Atlas; ein Foulard iſt nachläſſig um ſeinen Hals geſchlungen, und Diamanten glänzen an jedem Finger; er beſizt ein Kabriolet, zwei Verde und drei Geliebten. Endlich iſt er der einzige Sterbliche, welcher das benei⸗ denswerthe Vorrecht geniest, durch Schmerzen, die er Andern verurſacht, viel Geld zu gewinnen, ohne ihren moraliſchen Widerſtand zu erweken.

Sultan Mahmud und ſein Militär.

Miß Pardoc(in ihrem intereſſanten Werke über Konſtantinopel) bemerkt über die türkiſchen Truppen Folgendes:Die Truppen nahmen ſich(bei einer Revue bei dem Kurban-Vairam-Feſt) zwar in Reihe und Glied bei Weitem beſſer aus, als ich es erwartet hatte, allein der Sultan Mahmud wird doch noch viel zu thun haben, ehe er ihnen das Anſehen wirklicher Soldaten ge ben kann. Die Leute ſind ſchmuzig, ſchlaff und unbeholfen, gehen, vermöge ihrer Gewohnheit, immer auf ihren Beinen zu ſizen, einwärts, und marſchi ren, als ob ſie noch immer ihre Pantoffeln nachſchleppten. Das abſcheuliche Jes ſizt ihnen bis tief auf die Augen hinunter, und die ſchlecht zugeſchnittenen Unifermen ſind aus den gröbſten und ſchlechteſten Zuthaten gemacht. Endlich vernahmen wir die willkommenen Töne des kaiſerl. Muſikkorps. Voraus ka⸗ men zwölf Läufer in reich mit Treſſen beſezten Uniformen und mit hohen Mi litärmüzen, und dieſen folgten 20 Leibpagen, die ebenfalls ſehr glänzend ge⸗ kleidet waren, und in ihren Tſchako's Federn, oder vielmehr Schweife von ſteifen Federn trugen, zwiſchen denen künſtliche Blumen von ungeheurer Größe angebracht waren. Dieſer Kopfpuz war urſprünglich erfunden worden, um den Sultan zu verbergen, wenn er dazwiſchen einher ſchritt, und ihn ſo gegen die Wirkung der böſen Blike zu ſichern! Der gegenwärtige Großſultan liebt indeß die Verborgenheit nicht ſehr, und die Pagen, welche ſeine Vorgänger immer regelmäßig umgeben mußten, ſchreiten nun vor ihm her, während ein Haufe von Offizieren ihren Plaz einnimmt, von denen zwei dicht neben dem Steigbügel des Sultans hergehen, die übrigen aber etwas weiter hinten blei⸗ ben. Da dies das Erſtemal war, wo ich den Großherrn ſah, ſo beugte ich mich, ſehr neugierig, auf meinen Knien vorwärts; um ihn recht genau zu betrachten, und ich ſah nun, in einer Entfernung von 18 bis 20 Vords(45 bis 60 Fuß), einen Mann von edler Geſichtsbildung uud angenehmer Hal tung, der mit ruhigem Anſtande zu Pferde ſaß, und deſſen Aeußeres unge⸗ mein einnehmend war. Er trug an ſeinem Fes eine Aigrette von Diamanten, welche einen Buſch von Pfauenfedern zuſammenhielt; um ſeine Schultern hing ein weiter blauer Mantel, deſſen Kragen aus lauter Juwelen beſtand, und an dem dritten Finger der Hand, in welcher er den Zügel hielt, glänzte der größte Diamant, den ich in meinem Leben geſehen zu haben mich erinnere. Indem er in langſamem Schritt dahin ritt, ertönte der Ruf:Lange lebe