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„Ich bin Euer Ehren gehorſamſter Diener,“ ſagte der Wirth,„und ich werde ſtolz ſein, wenn mir Euer Ehren Befeble geben wollen zum.. 755
Er wollte hinzufügen:„zu ſeinem Mittageſſen“, allein das Anſehen von militäriſcher Würde, das ſich auf der Stirne des Fremden kund gab, hemmte ſchnell den weitern Verlauf ſeiner familiären Anrede.
„Mit Gunſt, Herr Mulligan,“ ſagte der Reiſende mit einnehmendem Lächeln,„wollt Ihr euch nicht ſezen; ich habe einige Fragen an euch über den Weg zu machen, der nach Ballymagarry führt.“
„Der Weg nach Vallymagarry!“ entgegnete der Wirth, durch den Ge⸗ danken ein wenig aus der Faſſung gebracht, einen ſolch guten Kunden zu ver— lieren;„Euer Ehren will alſo bei Seiner Herrlichkeit dem Marquis zu Mit— tag ſpeiſen und übernachten?“ 5
Der Fremde beruhigte ihn mit der Verſicherung, daß er bäldeſtens den andern Morgen erſt geſonnen ſei, ſich auf das Schloß des Marquis zu begeben.
Während deſſen Unterredung mit dem Wirthe, trat der Bediente des Fremden herein, gekleidet in eine reiche Livree, legte auf den Tiſch das Fell— eiſen, den Mantelſak und die Piſtolen ſeines Herrn, und zog hierauf auf deſſen Befehl die Ladung aus, indem lezterer ihm zugleich ſagte, daß er heute nicht mehr weiter reiſen werde.
„In dieſem Falle, Herr Oberſt,“ ſagte der Stallknecht mit einfältigem Lächeln,„wird es vielleicht gut ſein, wenn ich vorausreite, um Mylord zu benachrichtigen, daß Sie Ihre Ankunft verſchoben haben.“
„Dies iſt nicht nöthig,“ erwiderte der Oberſt,„der Marquis erwartet mich heute noch nicht; wäre jedoch dieſe Benachrichtigung durchaus nothwen— dig, ſo würde mir Meiſter Mulligan ohne Zweifel einen Boten verſchaffen.“ f
„Ich werde die Kommiſſion ſelbſt übernehmen, eher, als daß ich Ihren Diener in Verlegenheit laſſe.“
„Dies iſt hinreichend,“ ſagte der Oberſt barſch, und ſein Geſicht zeigte wieder den frühern Ausdruk, und verurſachte dem guten Mulligan einen klei⸗ nen Anflug von Schreken.
Als der Oberſt dies bemerkte, nahm er wieder eine freundlichere Miene an, und fuhr in ſeinen Fragen, welche der Eintritt des Bedienten unterbro— chen hatte, fort:.
„Die Aſſiſen haben, wie es ſcheint, vieles Volk in eurer Stadt ver⸗ ſammelt?“ ſagte er.
„Ja wohl; und mein Haus iſt ſo voll, daß, wenn der Großſheriff, Squire Flaherty, ſich nicht entſchloſſen hätte, nach der Sizung abzureiſen, um in ſeinem Schloſſe zu Flaherty zu übernachten, ich Euer Ehren nicht ein—⸗ mal hätte ein Zimmer geben können.
„Ach wahrhaftig!— das Schloß Flaherty iſt weit von hier?“
„Fünf Meilen, Herr Oberſt.“
„In welcher Gegend liegt es?“
„Dort gegen das Meer zu. Jedermann kennt das Schloß von Flaherty; — doch was werden Euer Ehren ſpeiſen?“
„Was Ihr mir vorſezen wollt, Meiſter Mulligan; ich bin genügſam““.
Als der Wirth ſich entfernen wollte, um das Mittageſſen anzuordnen, fragte ihn noch der Oberſt, ob er ihm nicht einige Bücher leihen könne, um ſich damit die Zeit zu vertreiben. 2
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