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durch dein ganzes Leben begleiten. Bedenke, daß dieſes Leben nicht dir, ſon⸗ dern Gott und deiner Familie gehört.— Lebe wohl.“
Der wakere Huſar wollte Wera's Hand ergreifen; ſie aber faßte die ſei⸗ nige mit herzlichem Druk und rief mit lauter Stimme aus:„Sie ſind ein wahrer Ehrenmann! Dieſen Tag werden wir unter uns ſtets zu Ihrem An⸗ denken feiern.“
Thyränen entſtürzten ihren Augen. Ein ſchwerer Seufzer entſtieg der Bruſt des edelmüthigen Kriegers. i
Vergebens ſuchte Schelkoff ihn zurük zu halten. Er kehrte ſogleich zur Stadt zurük. Noch wohnte die Liebe zu Wera in ſeiner Bruſt und er konnte ihre Gegenwart nicht ertragen.
Schelkoff ſpielte nicht mehr und machte ſein Vergehen gegen ſeine Gat— tin durch Zärtlichkeit, Gefälligkeit und Liebe wieder gut. Noch nie war die Magneſia von ſo heilſamer Wirkung geweſen. N kn.
Erſtes Auftreten eines erſten Komikers.
Im Jahre 1665 ſprach ganz Paris von einem Wunder, welches Leicht— gläubige für ein Werk des Teufels hielten. Man erfuhr, auf dem Jahrmarkte zu St. Germain befinde ſich ein Spinett(ein damals ſehr beliebtes Inſtru⸗ ment) welches ganz allein die li ichſten und ſchwierigſten Arien ansführte. Der Hof, wie man zu jener e pflegte, gerieth darüber in Bewe— gung. Anſtatt der Begrüßung die ſte bald nur die Frage:„Haben Sie das Spinett des Teufels e e 8 er That war dieſes geheimnißvolle In- ſtrument im höchſten Grade mer i Es beſtand aus einem 5 Fuß langen, 2) Fuß breiten Kaſten und war mi ei Klavieren verſehen. Zwei Kinder ſpielten auf zwei Klavieren ein Muſikſtük, und das dritte Klavier wiederholte daſſelbe Note für Note. Wünſchte man, das dritte Klavier ſolle ganz allein ſpielen, ſo wurden einige weitere Zeremonien erfordert. Der Eigenthümer mußte mit einem großen Schlüſſel ein Rad aufziehen, welches im Innern der magiſchen Maſchine furchtbaren Lärm machte. Nach dieſer Vorbereitung ſpielte
das Spinett zwei, drei oder vier Arien. Man brauchte aber nur zu ſagen: „Spinett, ſchweig!“ ſo hörte die Arie auf, oder:„Spinett, wechſele die Arie,“ ſo unterbrach das Spinett ſein Spiel auf der Stelle, und begann eine neue Arie.
Alle Anweſenden wurden entzükt, und waren ſtolz, einem Spinett BVe⸗ fehl ertheilen zu können. Man begab ſich zum Jahrmarkt von St. Germain, nur wegen des Vergnügens, dem Spinett zu ſagen:„Schweige, Spinett! Spiele, Spinett!“
Einige Dummköpfe begannen jedoch Lärm zu machen, und ſprachen die Worte Zauberei und kabaliſtiſche Wiſſenſchaft aus. Mehrere behaupteten, das Spinett gehöre auf den Scheiterhaufen. Bald hieß es allgemein, der Eigen— thümer, welcher Organiſt in einer kleinen Provinzialſtadt war, verdiene mit ſeinem Inſtrument verbrannt zu werden. Endlich hörte der König von der Angelegenheit reden. 0 5
Ludwig XIV. glaubte aber nicht an Zauberei und wollte das Spinett ſehen. Eines Tages, da, wie gewöhnlich, auf dem Jahrmarkte die berühmte,


