Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
384
 
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Gruppirung ſo viel Charakter und Wahrheit, daß ſich der dargeſtellte Moment an krkne Lo · kalität knüpft, ſondern dem Menſchenleben überhaupt mit ſcharfen Zügen entnommen iſt. Betrachten wir einmal die Haupt- und Titel-perſon, den rechts ſizenden Büchertröͤdler. Wie oft in unſerm Leben ſind wir nicht auf ſolche Subjekte geſtoßen, und wir glauben, dieſes ſtupide Geſicht ſchon einmal geſehen zu haben. Wie in aller Welt mag dieſer Mann auf den Gedanken gekommen ſein, ſich mit dem Buchhandel abzugeben? Sollte er vielleicht einſt dies Geſchäft im Großen getrieben haben und durch verfehlte Spekulationen, etwa durch den häufigen Verlag von Gedichten, ſo geſunken ſein? Oder ſollte er etwa gar ſelbſt ein Brod ſuchender Literat geweſen ſein, der aus Gewohnheit, von den Werken An derer ſein kümmerliches Leben zu friſten, nun, anſtatt abzuſchreiben, ſolche ganz und gar verkauft? Es ſei dem wie immer, ſein jeziges Geſchäft ſcheint eben ſo wenig lukrativ zu ſein, als irgend eines ſeiner vorhergehenden je war, und es mag nichts mehr dabei heraus ſchauen, als das Hemd bei dem Ellenbogen des Aermels. Sein armſeliger Kram, die drek Folianten auf der Bank, das Duzend Oktavbände auf dem Tiſche und die ſchlechten Ku pferſtiche und Landkarten an der Wand reizen wohl nur die Neugier einiger Gelehrten und die Schauluſt der lieben Straßenjugend, aber Tage und Wochen mögen vergehen, bis es Einem einfallen würde, Etwas käuflich an ſich zu bringen, und geſchieht dies endlich einmal, ſo muß es Epoche bei ſeinem hohlen Magen und ſeinen leeren Taſchen machen. Heute ſcheint ſoch' ein glüklicher Tag im Anzuge zu ſein; denn der Mann mit dem Buche in der Hand, der darin mit ſo augenſcheinlichem Intereſſe lieſt, ſcheint etwas gefunden zu haben, das er 2 tout prix an ſich zu bringen gedenkt, und das Buch mag wohl nicht ohne Werth ſein, da ſelbſt der hinter ihm ſtehende und über ſeinen Rüken in das Buch ſchauende ehrwürdige Kapuziner mit unzweideutiger Miene ſeinen Bekfall ausdrükt, und nur darum ſchweigt, um einem Andern nicht den Kauf zu verderben. Hätte der Antiquar etwas mehr im Kopfe als in der Taſche, ſo würde er den Umſtand beſtens zu benüzen wiſſen, und der Handel würde vortheilhaft für ihn ausfallen. So aber wird er vielleicht eine Rarftät für ein Spottgeld hin geben, während er für eine Räubergeſchichte mehr als den einſtigen Ladenpreis verlangt. Der dike Herr mit dem dreiekigen Hut auf dem Kopfe, der Brille auf der Naſe und der Tabaksdoſe in der Hand, iſt wahrſcheinlich ein Doktor und noch wahnſcheinlicher iſt es, daß er dem armen Büchertrödler für heute kein Huhn in den Topf 1 Der gute Mann ſucht irgend ein mediziniſches Opus, das ihm mehr Aufſchluß über Sein und Nichtſein erthei len ſollte. Er mag vergebens den ganzen Kram durchſtöbert haben und endlich zufällig auf ein hombopathiſches Werk geſtoßen ſein; daher die bitterſaure Miene, und er wird gewiß gleich Anſtalten machen, den Schauplaz zu verlaſſen. Doch wenden wir uns zu der linken Seite des Gemäldes. Hier gewahren wir einen Mann mit einer Phyſtognomke, die auszu drüken ſcheint, daß ihr Inhaber weder das Schieß- noch Dintenpulver erfunden hat, wenn er gleich, wie das Buch in der Hand andeutet, ſich zu der geleheten Zunft bekennt. Pedan⸗ terie iſt ihm aus dem Geſichte geſchnitten, und das, was um ihn vorgeht, ſagt deutlich das, was jener Komiker ſagte:die Gelehrten find dumme Teufel. Der Mann ſieht übrigens wie die perſoniſizirte Vorſicht aus. Er trägt einen breit gekrämpten Strohhut, damit kein Sonnenſtrahl ſein Geſicht treffe, und einen Regenſchirm in der Hand, obgleich der Himmel heiter iſt und nicht jedes Jahr, wie heuer, uns ſo reichlich mit Regengüſſen über raſcht. Aber während er ſich ſo vor den Elementen ſichert und ſich nachdenkend in die Wandausſtellung vergafft, ergeht es ihm wie jenem Aſtronomen, der auf der Erde in eine Grube ſiel, als er die Sterne am Himmel beobachtete. Hinter ſeinem Rüken nämlich treibt ein junger barfußer Induſtrieheld mit GElük ſein Gewerbe, indem er ſich mit vielem Geſchike des Schnupftuches unſers Gelehrten bemächtigt, und der bald dieſe Beute mit ſeinen hoff nungsvollen Kameraden theilen wird. Der Burſche mit der Schlafmüße, das Weib mit dem nakten Kinde und das uebrige tragen ganz den italieniſchen Charakter an ſich und bedürfen keiner weitern Erklärung. g N.

Halbjähriger Preis 4 fl., mit freler Poſtzufendung 5 fl. Auf Velinpapier mit erſten Kupferabdrilken 5 fl. und poſtfrei 6 fl. C. M. Man bpränumertrt im Kommiſſionsamt zu Ofen(Feſtung, autzerhald des Waſſerthors), in C. Millers u. F. Tomalas Kunſthaudlungen zu Peſth und bei allen k. k. Poſtämtern.

Herausgeber und Verleger Franz Wieſen.