Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
382
 
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derungswürdiges Gebaͤchtniß zu den ſel⸗ tenſten Erſcheinungen gehört, indem derſelbe vollſtändige Vorträge des Tal⸗ muds mit ihren umfangreichen Kom mentaren und Nandgloſſen Wort für Wort auf die merkwürdigſte Art aus wendig weiß. Man öffnete einen nach Gefallen gewählten Vortrag, und nann te das Blatt. Hierauf ſezte man, auf Geheiß, den Finger des Rabbiners auf eine beliebige Stelle, und fragte ihn um das Wort auf einem 15 Seiten vorangehenden, und dann auf einem 15 Seiten ſpäteren Blatte, und au genbliklich erfolgte die richtige Angabe. Weiterhin faßte der Nabbiner 16 bis 20 Blätter zwiſchen die Finger, und beſtimmte nach kurzem Nachdenken das Folio eines Blattes, welches man ihm (allenfalls mit einer Nadel) bezeichne te. Man erzählt unter Anderm, daß der Fürſt Paskewitſch ihm die Namen don 200 Soldaten mehrmals vorſagen ließ, und daß der junge Rabbiner dann die ganze Liſte derſelben aus dem Ge dächtniß wiederholte. T. Siliſtria. Die de Vach'ſche Kunſtreiter-Geſellſchaft hatte das Glük ſich vor Sr. Hoheit dem Sultan Mah⸗ mud, während ſeiner Anweſenheit in dieſer Feſtung, produziren zu dür⸗ fen. Der Großherr war über die Kunſt leiſtungen derſelben ſehr erfreut und bezeugte ihr ſeine Zufriedenheit durch werthvolle Geſchenke. Der Direktor der Geſellſchaft Hr. Soullier, erhielt eine goldene, mit Brillanten beſezte Ta bakdoſe und die andern Mitglieder zu⸗ ſammen 100,000 Piaſter(10,000 fl. C. M.) Zugleich ließ der Groß herr der ſelben einen Ferman ausſtellen, wel cher ihr auf der Reiſe nach Konſtanti nopel, Geleite u. Verpflegung auf kai ſerliche Koſten zuſichert. Mnemoſine. Buntes aus Paris. Folgen⸗ des iſt ein Veſſpiel, wie weit in Pa,

ris die Induſtrie von den ſogenannten Glüksrittern und armen Schlukern, denn die Noth macht erfinderiſch, ge trieben wird. Ein ziemlich alter, ab getriebener Spieler, der ſich Graf G. nannte, hatte ſich durch vieles Sitzen in einem Kaffehauſe, wo er für Koſt und Kaffe quaſi keinen Aufſeher machte, Verdauungsbeſchwerden zugezogen. Ein Arzt, den er deswegen konſultirte, rieth ihm tägliche Beweguug im Wa gen. Dies ließ aber die ſchlechte Ve ſchaffenheit ſeiner Finanzen nicht zu, er ſann daher auf ein Mittel, auch ohne Geld zu fahren. Zn dem Vehufe merkte er ſich aus den Anzeigeblättern die wichtigeren Leichenbegängniſſe, ver fügte ſich zur Veerdigungszeit in ſchwar⸗ zer Kleidung in das Trauerhaus und wurde leicht von allen Anweſenden für einen theilnehmenden Freund des Ver ſtorbenen gehalten und zuweilen ſogar mit einem Glaſe Madeira und einem Stükchen Biscuit regalirt; dann wur de eingeſtiegen und die Fahrt nach dem Kirchhofe Père fa Chaise oder Cime- tiere du midi gemacht. Dazu ſtimmte ſein blaſſes, ernſtes Geſicht vortrefflich und Keiner ſchien tiefere Trauer und Theilnahme zu hegen als er. Endlich aber wurde er von den Kutſchern der Begleitungswagen bei den Leichen er kannt u., weil er ihnen nie ein Trink geld gegeben, weggewieſen. In ei⸗ ner der neueſten Nummern der Pariſer Zeitung: Petites afliches bietet ſich ein junges Frauenzimmer aus der Provinz anlangend und mit einem günſtigen Aeußeren begabt, zum Dienen bei acht baren Perſonen an,ſelbſt wenn es Engländer ſein ſollten! Die Zahl der Eier, die von Frankreich nach Rams⸗ gate eingeſchifft werden, iſt unglaub lich. Die Eier ſind in hölzernen Schach⸗ teln ſorgfältig verpakt, werden auf der Mauth unterſucht, und dann ſogleich nach London verſchifft. Mehr als 20