Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
373
 
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nan immerhin, wie ein auswärtiges Blatt meint, die Muſen die Näßchen darüber rümpfen, qu' import 2 So oft die Arena angekündigt wied, lächelt freundlich der Himmel und das Publi kum beider Städte ſtrömt in Maſſe dahin. So machte am 10. d. M. der berühmte Atleth Nappo ein für einen Werktag ſehr volles Haus und ſeine ſtaunens würdigen Produktionen gewannen durch das Tageslicht noch mehr an Deutlich keit und Grandioſität. Der Beifall miſchte ſich mit Bewunderung u. man offt, dieſe Thaten noch oft auf dieſem biezu ſehr geeigneten Schauplaze zu ſehen. Aber Tags darauf, am Sonn tage, den 11. d. M., konnte dieſes Thea ter den ungeheuren Zudrang von Men ſchen nicht faſſen und viele Hunderte mußten aus Mangel an Plaz zurük kehren. Gegeben wurde ein recht drolliges Stük, deſſen langen Titel wir hier abzuſchreiben bemüſſiget ſind: Die Bekauntſchaft beim Einſtedler, die Entführung aus dem Auwinkel (recte Sauwinkel) und die Ver⸗ lobung bei der Schöpfung, Lokalpoſſe mit Geſang von Friedr. Hopp, für die Darſtellung in Ofen eingerichtet von J. Seydl. Muſik v. Julius Hopp. Dekorationen von Hrn. Strauß. Ich muß ſagen, daß mich, ſo wie das ganze Publikum, der Schwank weidlich ergözte. Ich weiß nicht, war es die heitere Himmelsbläue, die wohlthätige Wär me, die uns heute zum Erſtenmal recht ernſtlich mahnte, daß der Sommer kein leeres Wort iſt, oder die bunte und wahrhaft ſchöne Volksverſammlung undrings auf hohem Balkone, die Damen in ſchönem Glanze, was mich und Alles ſo heiter ſtimmte, genug es war alſo. Man kam aus dem Lachen gar nicht heraus. Hr. Hopp weiß gar nicht, was er uns ſpendete, er ahnt nicht, daß ſeine ſchwachen Wiener Wize in Ofen ſolchen Anklang fanden. Das ganze Stük

geht in Rauch auf. Ein Hr. Knaſterknopf iſt ein leidenſchaftlicher Raucher; ſein ganzer Haushalt muß rauchen. Seine Bekannten, ſeine Familie, ſeine Diener ſchaft rauchen, vielleicht auch ſeine Toch- ter, oder wenigſtens die Bewerber um ihre Hand, die zulezt ein gewiſſer Guſtav Linden durch Hilfe ſeines pfiffigen Die ners erhält. Das Publikum in den Logen, auf den nobeln und andern Gallerien raucht waker mit, und das iſt ein beſonderes Verdienſt der Arena. Als Zeichen der fortſchreitenden Civi⸗ liſation muß bemerkt werden, daß das Publikum auf dennobeln Pläzen mehr Gebrauch von der RNauchfreiheit macht, als jenes auf den höhern Negio nen, wo augenſcheinlich noch mehr die veralteten Galanterien gegen die Da men herrſchen. Geſpielt wurde von den beiden Schauſpielern Juſt u. Seydl köſtlich. Der Erſtere war in allen Ver kleidungen gleich drollig und wahr; der Leztere gab den Dümmling mit unverſiegbarer Laune. Hr. Macho war in ſeiner kleinen Rolle ebenfalls wa ker. Die H. H. Amslinger u. Kurt, die Damen Wilhelmi, Matureny u. Neu mann verdienen Erwähnung. Die De korationen waren gelungen und der Natur getreu. N. London. Mad. Schröder-De⸗ vrient, über deren Auftreten in Lon don viele deutſche Blätter die Vaken voll Lobſalms nahmen, iſt nun unver ſehens von dem Drurylane-Theater entlaſſen worden. Ihre deutſchen Lob redner erfinden nun allerlei Ausflüchte über diesunerwartete Ereigniß; aber die Wahrheit iſt, daß der Enthuſſasmus etwas kühler war, als er in dem Ge⸗ hirne mancher Korreſpondenten ent brannte. Nun ſagen ſie, Mad. S. D. ge⸗ denke nach Birmingham zu gehen, um bei dem dortigen Muſikfeſte mitzuwir ken und verlange dafür die Klei⸗ nigkeit von 1000 Pf. Sterl.(10,000 fl.