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nicht mehr in der Stadt ſind. Im entgegengeſezten Fall ſchwöre ich es Ihnen bei meiner Ehre, daß ich meinen Leuten befehlen werde„Sie zu bluden, und daß ich ſelbſt Sie mit Ihren Karten in der Gouvernements-Stadt abliefere.“
„Läßt ſich denn kein Mittelweg treffen— ſeien Sie mit der Hälfte zu⸗ frieden!“ erwiderte der Trabant.
„Nicht einen Groſchen laſſe ich nach!“
Der Bankhalter, ohne ein Wort zu ſagen, zog ein Taſchenbuch heraus,
zählte 4000 Rubel hin,
und überreichte ſie dem Offizier mit Schelkoff's Wechſel.
Der Offizier, nachdem er ſolchergeſtalt ſeine Sache beendigt, verließ ru— big das Zimmer und ſagte zu ſeinem Onkel:„Auf Wiederſehn. Schelkoff iſt
gerettet!“
Urt
Theater.
Peſt h(Lezte Gaſtrolle der Clara Heinefetter.— Mad. Ribics.) Am 10. d. M. fand die Benefize und lezte Gaſt— rolle der Dem. Clara Heinefetter, k. k. Hofopernſängerin, ſtatt. Es ward Vel— linis„Norma“ hiezu gewählt und das volle Haus, welche dieſe hier ſchon ſo unzählige Male über die Bretter ge— gangene Oper wieder bewirkte, möge der geſchäzten Sängerin beweiſen, wie hoch ſie in der Achtung und in der Gunſt des Publikums angeſchrieben iſt. Sie ſang aber diesmal auch ganz aus— gezeichnet. Die erſte große Arie beſon— ders war magnifique; Wohlklang der Stimme, Rouladen, Koleratur u. Tril— ler ließen beinahe keinen Wunſch unbe— friedigt. Dem Spiele fehlte hier wohl die antike Form, aber nichtsdeſtoweni— niger athmete es Geiſt und Bedacht.— Der Applaus war enthuſtaſtiſch. Sie ward unzählige Male gerufen; Lorbeerkranz und Gedichte flogen auf die Bühne und das Parterre, eine Aus— zeichnung, die diesmal gewiß ve ſr— dient zu nennen iſt.— Hr. Kaler ſang den Oroviſt mit allem Eklat ſei— ner herrlichen Stimme, und erwarb ſich rauſchenden Applaus. Herr Stoll, Seber, war brav, einige Momen⸗
(Fortſezung folgt.) f
heile. Begebnisse.
ein
te, beſonders die Duette des erſten Aktes, waren vorzüglich.— Dem. Rauch, Adalgiſa, ſcheint etwas mit Beklommenheit gekämpft zu haben, ſie ſang dieſen Part früher beſſer.— Chö— re und Orcheſter waren lobenswerth.— In der Lokalpoſſe erſchien eine Gaſtin von liebenswürdigem Aeußern: Mad. Ribics(früher Dem. Schreiber). Sie gab am 8. d. M. die Sophie in der Voſſe:„Herr Joſeph und Frau Ba— berl“, und am 11. d. M. die Titel⸗ rolle in Meisl's„Julerl, die Puzma— cherin.“ In beiden Viecen beurkundete ſie ein erhebliches Talent in dieſem Genre. Sie hat Natur und Anmuth in ihrem Spiele und ſingt recht ange— nehm. Als Julerl bewegte ſich die ſchöne Gaſtin beſonders graziös. Der komiſche Pathos, den dieſe Rolle er— erfordert, gelang ihr ziemlich und die
Kouplets ſang ſie gefällig. Sie ward beifällig aufgenommen.— Beide Lokal-
ſtüke waren durch das launige Spiel
des Hrn. Lang ſehr belebt.— Auch Hr. Donua als Einnerl war komiſch. — Am 12. gab Dem. Bajan die El⸗ vlre, in der„Stumme v. Portici““, als dritten theatraliſchen Verſuch. Ihr Streben iſt lobenswerth u. dürfte bald belohnt werden. F. Ofen.(Arena.) Unſer Tags⸗ theater erfreuet ſich der Gunſt des Him— mels und des Publikums„ und mögen


