Jahrgang 
Band 1 (1837)
Seite
370
 
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Dieſe Narben aber bemerkte man nicht an ſeinem Bildniß, das er hatte malen laſſen; ſelbiges ſtellte ihn vor in Zivil-Uniform, mit einem Degen an der Seite, an einem mit Papieren bedekten Tiſch, und in der Hand die Mos kau'ſche Zeitung haltend.

Je mehr ſich ſein Kapital vergörßerte, um ſo größeres Anſehen gewann er im Kreiſe der Liebhaber von Kartenſpiel, guten Weinen und wohl beſezten Tafeln. Anfangs paſſirte er für einen guten Kerl, dann zählte man ihn zu den ordentlichen Leuten, und zulezt rechnete man ihn zur Klaſſe der hochacht baren Männer. In Moskau verſammelte ſich bei ihm eine Menge von Staats- dienern, verdorbenen Kaufleuten und ſogar einige Geſellen der Autor-Zunft. Es ging bei ihm luſtig her, ohne Komplimente, auf Junggeſellen-Fuß; Alles war im Ueberfluß da kurz er war ein achtungswerther Mann!

Während der neu angekommene Huſar zu Abend, ſich mit ſeinem On⸗ kel unterhielt, und die Fragen von Bekannten beantwortete, die ihn zu ſeiner Ankunft bewillkommneten, ſchlug es Mitternacht. Der Huſar ſtand auf und wollte nach Hauſe gehen, als ein ehemaliger Schul- und Dienſt-Kamerad von ihm in's Zimmer trat. Bei der Bewillkommnung bemerkte der Huſar eine ungewöhnliche Verwirrung in den Geſichtszügen ſeines Freundes.Was iſt dir, Kamerad? Du ſcheinſt nicht heiter? ſagte er, indem er ſeines Freun⸗ des Hand ergriff.

Ich habe verloren, Brüderchen! war die Antwort.Die verdammten Moskauer haben uns gehörig geſchröpft! Den armen Schelkoff haben ſie rein ausgezogen

Schelkoſſ! Michaila? fiel haſtig der Huſer ein.Der iſt hier?

Er war hier und iſt jezt, Gott weiß wo! Er rannte aus dem Hauſe wie ein Raſender. Du mußt wiſſen, daß er in Wechſeln über 100,000 Rubel verſpielt hat!

Nicht möglich! Das iſt ja faſt Alles, was er beſizt! rief der Huſar aus, indem er die Hände zuſammen ſchlug.»Unglükliche Wera! ſagte er zu ſich ſelbſt.

Wahrſcheinlich iſt er tüchtig berauſcht geweſen, bemerkte der junge Knebelbart, der ſich früher mit dem Onkel des Huſars unterhalten hatte.

Keinesweges! erwiderte der zulezt Eingetretene;er war kalt und ruhig wie ein Stein.

Er muß gerettet werden! ſagte der Huſar, ſich zu ſeinem Onkel wendend.

Ich bin bereit dazu wenn nur ein Mittel vorhanden iſt.

Ich habe es an meiner Seite, ſagte der Huſar.Meine Herren! ſprach er zu den Umſtehenden,wer mein Freund iſt, warte hier eine halbe Stunde. Ich kehre gleich zurük.

Der Huſar ſezte ſeine Müze auf und ſtürzte aus der Thür. In einer halben Stunde kehrte er mit zwei Unteroffizieren und zwei Huſaren zurük. Seinem Onkel und ſeinen Freunden zuwinkend, daß ſie ihn erwarten möchten, befahl er einem Aufwärter, ihn in's Spielzimmer zu führen.

Kaum hatte ſich der Huſaren-Offizier in der Thür gezeigt, als der Bank halter erblaßte; ſeine Hände zitterten und Entſezen malte ſich auf ſeinem Ge ficht. Glüklicherweiſe für ihn hatte er die Taille beendigt. Die Karten auf