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Mittlerweile hatte die mühſame Arbelt im Spielzimmer Uhren ununter⸗ brochenen Fortgang. Die angereiſte Spielergeſellſchaft leerte mit der größten Ruhe die Taſchen der gutmüthigen Provinzialiſten, die ſich von dem Glanze des Goldes und der Haufen von Banknoten, die auf der Tafel kunſtfertig aus- gelegt waren, verblenden ließen. Mit der größten Serlenruhe zog der Ban— quier, überzeugt, daß er nur Profane vor ſich hatte, ſeine bezeichneten Kar— ten ab. Drei Croupiers, von rieſenmäßiger Geſtalt, mit aufgedunſenen Ge— ſichtern, zogen kaltblütig mit ihren metallenen Schaufeln das von den Poin— teurs verlorene Geld an ſich und faßten Diejenigen ſcharf ins Auge, die über ihr Unglük außer Faſſung geriethen. Das vierte würdige Mitglied der Geſell— ſchaft ſaß dicht neben dem Bank halter und übergab die von ſeinen Gefährten erthaltenen Karten mit vielem Anſtande dem Bank halter, der, ſich ſtellend als ſchnaube er ſich die Naſe in einem ſehr großen Taſchentuch, hinter demſelben die Karten, nachdem ſie abgehoben, vertauſchte. Ein fünftes Mitglied führte die Verlierenden in ein Nebenzimmer, in welchem ein Notar mit ſeinem Buche ſaß, wo er die ausgeſtellten Wechſel eintrug, weil die würdige Geſellſchaft ſich ſtrenge an die Grundregeln des Spiels hielt— keine verdekte Karte ab— ſchlug und Niemanden,„ſelbſt dem leiblichen Vater nicht“, auf ſein bloßes Wort kreditirte. Bekannten Leuten erlaubte ſie, Wechſel auszuſtellen, ſie als Unterpfand zu laſſen und dann zu pointiren. Dies that dle Geſellſchaft nur aus Freundſchaft und aus Achtung der Perſonen; indeſſen benuzten nur ſehr Wenige dieſe Freundſchaft und Achtung.
(Fortſezung folgt.)
Schauſpieler und der Bretter zu ken—
Theater.
Ofen(7. Juni). Während die Direktion unſeres Theaters durch die Arena das größere Publikum zu unter— halten weiß*), feſſelt ſie durch inte⸗ reſſante Vorſtellungen des feinern Luſt— ſpiels das nicht minder bedeutende ge— wähltere. Die lezte Novität in dieſem Genre war:„der Stiefvater“, Luſt⸗ ſpiel in drei Akten von Dr. E. Rau⸗ pach, deſſen erſte Darſtellung heute ſtattfand. Raupachs dreifaches Talent, das Bedürfniß des Publikums, der
) Am 28. d. M. ward daſelbſt„Mar⸗ garetha von Anſou““ bei übervol— lem Hauſe gegeben. Hr. Seydl un— terhielt ſehr durch ſeine draſtiſche Komik.
nen, zeigte ſich in der geiſtreichen Be— handlung der ziemlich oft dageweſenen Fabel, der eben nicht neuen und tie— fen Charaktere abermals in vortheil— haftem Lichte, und wir geſtatten ihm gerne etwas weniger Tieſe, weil er uns durch ſeine Breite entſchädigt; es iſt aber die Fabel in Kurzem folgende: Wangen u. Louiſe lieben ſich, Brand, Wangens Stiefvater, kömmt, um bei Vater und Mutter Funk, Louiſens Eltern, für Wangen anzuhalten; da hört er von 100,000 Thalern Mitgift, die ihn reizen, für ſich ſelbſt zu wer⸗ ben; Funk, der Papataci ſeiner Frau, wird von dieſer verhalten zuzuſagen; Till, der als zweibeiniges. Schikſal über den Andern ſchwebt, nimmt ſich


