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„Was, Konſtantin Vetrowitſch?— der Huſar?“— rief der junge Mann aus, indem er vom Stuhl ſprang.
„Ja, er ſelbſt!“ fuhr der ältere Herr fort.„Mein Neffe war ein Freund von Schelkoff und zugleich ſein Nebenbuhler. Sie endigten aber die Sache auf eine vernünftige Weiſe, und zwar dergeſtalt, daß ſie, anſtatt nach dem wahn⸗ ſinnigen Gebrauch ſich um die Hand ihrer Schönen zu ſchießen, ihr ſelbſt die Entſcheidung ihres Schikſals überließen. Sie wählte Schelkoff, und mein Neffe, wiewohl mit kummervollem Herzen, aber ohne Groll, ergab ſich in ſein Loos. Die Freunde ſahen ſich nicht mehr, ſchieden aber als Freunde. Uebrigens ſcheint es mir, daß mein Neffe noch nicht ganz von ſeiner Liebe geheilt iſt. In ſeinen Briefen an ſeinen Vater herrſcht eine ſolche Melancholie, daß mir in der That bange um ihn iſt. Ihm iſt Alles zuwider geworden— die Welt, der Dienſt, die Reſidenz! Wir erwarten ihn hier in den jüngſten Tagen. Er reiſt auf Remonte.“ f
„Welche Thorheit! Ein Huſar und ſo verliebt!“ ſagte lächelnd der jun⸗ ge Mann und ſtrich ſich den Knebelbart.„Nein, dergleichen iſt meinem Vetter, dem Huſar, nicht paſſirt. Er verrükte allen polniſchen und deutſchen Weibern in Wilna und Riga die Köpfe, ſelbſt aber— ließ er ſich kein graues Haar wachſen. Sehen Sie, das iſt die wahre Huſarenmanker!— Amalia Carlowna, laſſen Sie mir Champagner geben. Haben Sie die Güte, Iwan Pawlowitſch, ein Glas mit mir zu trinken, auf das Wohl unſerer Huſaren und der unſicht— baren Schönheit meiner Nachbarin. Und wenn ihr Neffe ankommt, ſo will ich ihn ſchon aufheitern. Ich habe zwei Fuchslager, links von der Straße ent⸗ dekt— Sie wiſſen, wenn man über's Feld kommt.— Ah! da iſt der Wein! Darf ich bitten?“
„Ich danke recht ſehr! Ich trinke nur bei Tiſch,“ ſagte der ältere Herr.
„Nun, dann ſeze ich mich mit meiner Flaſche zu Ihnen.— Da ſind ja auch ſchon Ihre Cotelettes.“ i
Der ältere Herr ſezte ſich zum Eſſen, und der jüngere nahm neben ihm Plaz und traktirte mit ſeinem Chompagner.
plöztich hörte man das Geklirr von Sporen und das Raſſeln eines Sã⸗ bels: es trat ein ſtattlicher Huſaren-Offizier ins Zimmer. Der ältere Herr ſprang vom Stuhl und fiel ihm um den Hals.
„Sei herzlich willkommen, liebſter Neffe!“
„Gott grüße Sie, mein theurer Onkel! Und mein Vater, wo iſt er?“
„Er iſt in der Gouver nements-Stadt. Wir erwarten ihn in dieſen Ta⸗ gen.— Wann aber biſt du angekommen?“
„Vor einer halben Stunde. Ich will irgend etwas genießen.“
„Amalia Carlowna,“ rief der Onkel,„laſſen Sie meinem gellebten Neffen etwas zu eſſen geben, aber recht ſchnell.“—
Der junge Knebelbart forderte noch eine Flaſche Champagner und machte Anſtalt, den Hufaren zu umarmen; dieſer aber ſchien die Artigkeiten ſeines Bekannten nicht feurig erwidern zu wollen, indem er, ſich ſeiner Umarmung entziehend, zu ihm ſagte:„Ah, du biſt es, Platon!— Du biſt alt gewor— den, Brüderchen! Haſt du dich nicht gebeſſert? Hindre mich nicht im Eſſen.— Ich bin ganz ausgehungert.““


